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Union Street/BMG Ariola München: Pflicht und Kür in BMGs Straßenabteilung

Mit einer sechsköpfigen Mannschaft widmet sich die Abteilung Union Street der Black Music bei der BMG Ariola München. Statt der bislang üblichen Aufteilung, die sich nach nationaler oder internationaler Herkunft der Künstler richtete, stützt sich Union Street nun vor allem auf die Kompetenz der einzelnen Mitarbeiter.

“Union Street ist kein Label, sondern vielmehr eine Kreativzelle innerhalb von BMG Ariola München“, erklärt Stefan Goebel, Head of Union Street, im Gespräch mit musikwoche.de. Die Abteilung betreut unter seiner Leitung nationale wie internationale Themen aus den Genres HipHop, R“n“B und Soul und will nicht wahrgenommen werden „als weiteres Label für die Endverbraucher. Denn die Fans kaufen eh nach ihrer Lieblingsmusik und nicht nach Labels, abgesehen von urbanen deutschen Labels.“

Aus diesem Grund hat Union Street mit Subword „ein höchst credibles Label für deutschen HipHop“ im Portfolio, erläutert Goebel, der sein Department „vor allem B2B und nicht B2C breaken“ will; unter anderem mit einer Print-Anzeigenkampagne in Fachmagazinen. „Union Street bedeutet bei der Aufteilung innerhalb der BMG insofern eine Neuerung, da zuvor eher nach nationalen und internationalen Kriterien und weniger nach Genres gearbeitet wurde.“ Dies betreibt das sechsköpfige Team, dessen Aufbau Goebel im Sommer abgeschlossen hat: „Wir haben bei all unseren Mitarbeitern besonders auf Kompetenz und Engagement für die Musik, die wir veröffentlichen, geachtet. Gerade bei Genre-Themen wie HipHop muss die Expertise stimmen.“ Diese sei erforderlich, um Synergien auf dem Mitarbeiter-Level zu schaffen, sagt Goebel. „Die Produktleute aus dem heimischen und aus dem ausländischen Bereich sollen sich gegenseitig befruchten. Synergien auf dem Künstler-Level sind zwar erwünscht, stellen aber nicht unser Hauptgeschäftsfeld dar. Wenn es passiert, dann durch den Erfolg des ersten Punktes.“

Als erfolgreiches Beispiel wertet der Union-Streetler den deutschen Rapper Raptile, von dem ein Remix auf der Maxi „So Fresh So Clean“ von Outkast zu hören war. „Neben vielen weiteren Punkten auf Raptiles bisherigen Erfolgsweg bildete diese Kombination ohne Zweifel einen der Faktoren, die Raptile im deutschen HipHop-Dschungel etabliert haben“, schildert Goebel.

Beim Breaken neuer Acts in diesem Genre sind Street Tools unerlässlich, glaubt er: „Elementar wichtig ist die Club-Arbeit, weil dort diese Musik wirklich passiert. Und erst mit entsprechenden positiven Ergebnissen in den Club-Charts geht es dann zur Videovorlage. Leider weist die deutsche Radiolandschaft immer noch ungenügend effektive Kanäle auf, die es ermöglichen, glaubwürdige Urban Music über den Weg des Radios zu breaken. Nach wie vor sind die Playlists von Viva und MTV entscheidend für den Erfolg urbaner Musik im kommerziellen Bereich.“

Im Vinylbereich arbeitet Union Street neben der eigenen Clubbing-Abteilung auch mit externen Partnern wie etwa der Promotion-Agentur Sure Shot zusammen, „vor allem bei kommerzielleren Themen, die wir breit streuen wollen.“ Die Effektivität dieser Vorgehensweise sieht Goebel mit Resultaten in den Deutschen Black Charts (DBC) der Public Propaganda Music Group bestätigt. Bei Redaktionsschluss stammten inklusive der beiden Spitzenpositionen drei Titel aus den Top Five von Union Street.

Dabei kann das Team bei „den nationalen Themen unsere kreativen Ideen umsetzen und über ein Label wie Subword credible Themen kanalisieren. Diese Erfolge im nationalen Bereich sind unsere Kür, die Erfolge im internationalen Bereich unser Pflichtprogramm, wobei natürlich beides genau wie beim Eislaufen gleich wichtig ist.“ Dazu können Goebel und seine Black-Music-Freunde innerhalb der BMG-Famile auf die US-Labels Arista und J Records zurückgreifen: „Wir picken uns von unseren US-Labels die Acts heraus, die auch zu uns passen und die wir persönlich vertreten können.“

Kreativzelle für die Trends von morgen

Dazu gehören kommende Veröffentlichungen von Pink, Babyface, Monica, Faith Evans und Busta Rhymes“ Flip Mode Squad mit Rah Digga. Einen „Meilenstein seines Genres“ sieht Union Street im Album „Music“ von EPMD-Mastermind Eric Sermon, „national toben wir uns aus, lassen unsere internationalen Erfahrungen einfließen und entwickeln kreativ die Trends von morgen.“ Dazu gehört neben Raptile auch MB 1000. Die Formation aus Hannover liefert mit „Kalter Schweiß“ die offizielle Hymne der „Lord Of The Boards“-Events, die in der Wintersaison 2001/2002 stattfinden werden.