Weil der Neubau der Popakademie Baden-Württemberg erst noch seiner Vollendung entgegen geht, fand es in den Räumlichkeiten des Musikparks Mannheim statt. Dabei erfüllte allerdings nicht jedes Panel die hoch gesteckten Erwartungen. So kam die Runde mit dem Motto „Keine Chance für Wagners Erben“, die sich Gedanken machen wollte über die „Chancen deutscher Popkultur im In- und Ausland“, unter der Gesprächsleitung von Theo Geissler („Neue Musikzeitung“) trotz illustrer Teilnehmer kaum über den Austausch von bekannten Positionen hinaus.
Wenigstens fand Dr. Peter Hanser-Strecker (Schott Verlag) klare Worte. Er wies darauf hin, dass in Deutschland „mehr Geld für Katzenfutter ausgegeben wird als für Kultur“, und forderte von der Politik eine Umverteilung der Etats zugunsten der Kultur. Hanser-Strecker meinte: „Wenn Wagner heute leben würde, hieße er Hans Zimmer und lebte in Amerika“, unter den heutigen Voraussetzungen, „hätte er es nie geschafft“. Zum Thema Radioquote lieferte Hanser-Strecker ein Bonmot: „Wir haben in manchen Rundfunkanstalten Schließmuskelprobleme. Die gilt es zu beheben.“ Eher zahm gerierte sich Heinz Rudolf Kunze, der erklärte, niemand wolle wirklich eine Quote; die Forderung danach sei eine Drohgebärde. Haushaltsexperte Steffen Kampeter (CDU) bekannte, was bereits bekannt ist, nämlich dass er von einer Quote als dirigistisches Instrument nichts halte, und erwies sich abermals als kenntnisreicher und leidenschaftlicher Kämpfer für die Belange der Musikindustrie. So wies er darauf hin, dass die baden-württembergische Politik, die in Person von Wirtschaftsminister Christoph Palmer die Popakademie und das Branchenmeeting mit entsprechenden Zuschüssen erst ermöglicht hat, ganz sicher kein Interesse daran habe, „Sozialhilfeempfänger auszubilden“.
Wie es denn um die Arbeitsbedingungen der Popakademiker im Jahr 2010 bestellt sein könnte, darüber debattierten die Teilnehmer des spannenden Abschlusspanels unter der Leitung von Hubert Wandjo, dem Geschäftsführer der Popakademie. Auf hohem Niveau drehte sich die Diskussion um die Frage, ob die Major Companies ein Auslaufmodell sind und welche Rolle die Indies spielen werden. Auch nicht unbedingt neu, dieses Thema, doch Fitz Braum (Four Music), Kurt Thielen (Zebralution), Jörn Zimmermann (Rechtsanwalt von Xavier Naidoo) und Boris Löhe (Sony Music Domestic) wussten, wovon sie redeten. Etwa Löhe, der gestand, dass er nur sechs Monate im Voraus planen könne, und die Schwerfälligkeit eines Unternehmens wie Sony beklagte: „Wenn die Japaner sagen, wir planen kurzfristig, meinen sie 50 Jahre.“






