“Seit kurz vor Weihnachten hat die Musik-DVD stark angezogen, deshalb haben wir unser Programm in diesem Bereich erweitert und sind damit sehr zufrieden,“ erklärt Hugo Heinzen, Inhaber der aktiv Musik Plattenkiste Bad Neuenahr. Heinzen bietet in seinem Stammgeschäft rund 250 Titel als Musik-DVDs an. Das Geschäft mit Movie-DVDs sei dagegen schwieriger geworden, da diese im Fokus des Preismarketings der Großanbieter stünden. „Wir führen weiterhin Spielfilme, unsere Kernkompetenz sehe ich aber im Bereich Musik-DVD.“ Im Film-Segment setzt Heinzen auf Neuheiten und gängige Titel, bei Wünschen aus dem Backprogramm seien Kunden eher bereit, auch auf eine Bestellung zu warten. Neue Film-DVDs liefen zudem in der ersten Woche stark an, würden dann aber stark nachlassen.
„Von der DVD verspricht sich der Handel in diesem Jahr noch sehr viel“, meint zum Beispiel auch Mario Porombka, stellvertretender Abteilungsleiter CD & Video bei Dussmann – das KulturKaufhaus in Berlin: „Der Trend geht dahin, dass die DVD die VHS-Kassette bald ablöst. Unsere Kunden nehmen das Medium gut an.“ Um den DVD-Bereich ausbauen zu können, habe Dussmann das Angebot an VHS-Titeln gekürzt. Allerdings rechnet Porombka nicht damit, dass die DVD auch die CD als bevorzugtes Format schnell verdrängen kann, da weiterhin eher Spielfilme auf DVD gefragt seien als Musik-DVDs oder DVD-Audios. Robbie Verheijden, Abteilungsleiter bei expert Ostheimer in Darmstadt, verfolgt eine andere Strategie: „Bei uns ist vor allem die Nachfrage nach SACDs und DVD-Audio-Titeln sehr hoch, auch wenn die Hersteller bei diesen Formaten noch was tun müssen.“ Zum Beispiel habe Sony schon vor dem Weihnachtsgeschäft angekündigt, rund 300 Titel auf SACD zu veröffentlichen, die bis dato allerdings noch nicht ausgeliefert seien. „Bei uns laufen außerdem indizierte Titel mit einer FSK-Freigabe ab 18 Jahren sehr gut.“ In diesem Segment sei Ostheimer der einzige Anbieter in der Region. „Auch wenn wir diese Filme in einer Vitrine unter Verschluss halten müssen, haben wir doch bereits knapp 100 Titel im Angebot.“ Vor allem vom Film-Bereich verspricht sich Robbie Verheijden Zuwächse, „allerdings müssen die Anbieter verlässlicher werden, zum Beispiel wenn es um VÖ-Termine geht.“ Als Beispiel nennt er den Spielfilm „The Forsaken“, der bereits vor rund einem halben Jahr zum ersten Mal angekündigt worden und bislang nicht ausgeliefert sei. Der Ausbau der DVD-Abteilung geht bei ihm auf Kosten der VHS: „Die VHS ist fast komplett weg, der Markt liegt danieder. In diesem Bereich führen wir fast nur noch aktuelle Titel und das Kinderprogramm.“
Hohe Erwartungen setzt auch Axel Gallep, Geschäftsführer von Oxford-CD in Bonn und Bad Godesberg, in das DVD-Format: „Die Entwicklung der DVD sehe ich absolut positiv: Wir bauen das Segment permanent aus. Das Backprogramm wird immer umfangreicher und auch die Neuheiten können wir in immer größeren Stückzahlen bestellen.“ Dabei machen Spielfilme immer noch das Gros des Geschäfts aus: „Ich schätze das Verhältnis zur Musik-DVD auf etwa 80 zu 20. Dabei laufen die Spitzentitel bei Musik-DVDs auch schon sehr gut“, meint Gallep. Als Beispiele nennt er Titel von Robbie Williams und die DVD zur Elevation-Tour von U2. Ein Grund für den Vorsprung der Filme sei, dass „viele Kunden bei ihrem Home-Equipment noch nicht so gut ausgestattet sind, dass es sich zum Musikhören auch wirklich eignet“. Auch wenn die CD weiterhin den Schwerpunkt bei Oxford-CD bildet, liege der Umsatzanteil der DVD schon „bei zehn bis 15 Prozent“. Da Gallep zuvor keine VHS-Videos führte, mussten für die DVD einige Regalmeter CDs weichen: „Die DVD ist als Umsatzbringer bei dem stagnierenden CD-Markt sehr gut.“ „Letztendlich steht und fällt das Format mit der Marktdurchdringung der Hardware“, meint Thomas Hinz, Einkaufsleiter Pop und Musik-DVD bei jpc in Georgsmarienhütte. „Und die hat deutlich zugenommen, das sehen wir auch bei den Verkäufen. Im vergangenen Jahr war die DVD noch ein Nischenthema, inzwischen kommen wir hier aber auf vernünftige Stückzahlen. Auch die Musik-DVD hat zu Weihnachten den Durchbruch geschafft und die VHS nahezu vollständig verdrängt.“ Allerdings liege das Verhältnis der Absatzzahlen zwischen einem Top-Film und einer Top-Musik-DVD immer noch bei rund zehn zu eins, so Hinz. Besorgt zeigt sich Hinz dagegen vom Preiskampf mit DVD-Spielfilmen. Als Beispiel nennt er ein Angebot eines regionalen MediaMarkts, der zur VÖ den Film „Der Schuh des Manitu“ für 15,99 Euro anpries. Für das stationäre Geschäft bei jpc ergänzt Verkaufsleiter Reinhard Schipmann: „Wir selbst müssten in Form von Displays aktiver werden.“ Derzeit biete der Markt allerdings noch keine Standardlösung für DVD-Regale, in die DVDs mitsamt eines Sicherungsrahmens passen würden. „Das schadet dem Format natürlich. Deshalb haben die Produkte noch nicht den richtigen Auftritt im Shop.“






