Jörg Hacker, freier Berater TVT Records Europe:
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„Um nicht in den Abwärtsstrudel der Industrie zu geraten, muss man erstens Produkte schaffen, die trotz des eingeengten Genres auch innovativ sind. Metal-Fans sind keine Lemminge, die alles ungesehen oder ungehört kaufen. Zweitens gehört dazu, Marketingumfelder jenseits der breitgetretenen Felder schaffen und last but not least, denn das Auge hört mit, sollte man großartige Packages auf den Markt bringen, wie etwa CD/DVD-Kombinatinoen. Die sind zwar teurer in der Fertigung, stellen aber auch Value for money dar – und das belohnt der Fan, der solche Veröffentlichungen dann eben nicht runterladen, sondern ins Regal stellen will.“
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„Wir bieten unsere Titel über alle legalen Downloadstores an, auch wenn wir natürlich lieber aufwändige Packages verkaufen. Aber es gibt auch einen gewissen Prozentsatz von Metalfans, die durchaus runterladen und die wiederum laden wir gern ein, dies legal zu tun.“
Henk Hakker, Geschäftsführer Roadrunner Records:
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„Ich kann nicht bestätigen, dass der Metal-Markt so gefestigt ist, wie viele behaupten. Die Metal-Kids informieren und orientieren sich sehr intensiv über Metal-Foren, Online-Fanzines und eben auch Internet-Tauschbörsen. Hauptproblem auch hier ist für uns vorrangig die Vorwegnahme. Wenn ein Metal-Fan bereits sechs bis acht Wochen vor Erscheinen das neue Album seiner Lieblingsband aus dem Internet runterlädt, ist das Produkt zur VÖ ein alter Hut. Wenn das neue Album dann nicht der absolute Oberhammer ist, verlieren wir den Umsatz. Das war vor ein paar Jahren noch anders.“
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„Wer als Metal Head im Internet auf der Suche nach Musik ist, bringt in den seltensten Fällen die Bereitschaft mit, für Downloads zu zahlen. Der Fan will sich im Internet orientieren, um noch gezielter und selektiver zu kaufen. Dennoch ist die Loyalität gegenüber den Künstler bei den Metallern höher als im Pop-Geschäft. Wenn der Act und das neue Produkt ‚credible und cool‘ sind, wird das kommerzielle Produkt gekauft. Oft hilft da allerdings eine schönere Verpackung, Limited Editions mit Bonus Tracks, Internetlinks mit Bonus Content, Gewinnaktionen und dergleichen. Auf lange Zeit werden wir sicherlich mehr Umsatz über Downloads aus Onlineportalen generieren, aber ob das Downloadgeschäft unsere Kosten decken wird, halte ich für sehr fraglich. Der gesunde Mix aus Handelspräsenz des physischen Tonträgers, Onlineangeboten zum kostenpflichtigen Download, Internetpromotion in Form von MP3s von einzelnen Tracks bei Albumkünstlern zum kostenlosen Download auf hauseigenen Labelseiten, Live-Shows und preiswertem Merchandise wird den Endverbraucher langfristig an den Künstler binden und konsumfreundlich stimmen.“
Jochen Arlt, Label-Koordination Alive:
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„Einen Abwärtstrend kann ich bei Alive nur bedingt nachvollziehen. Vielmehr stelle ich fest, dass sich Qualität durchsetzt. Es klingt zwar pauschal, aber der Markt straft Lieblosigkeit gnadenlos ab. Wen wundert es auch? Der Markt nimmt einfach nicht mehr jede CD auf, und der Selektionsprozess bei den A&Rs hat noch nicht bei allen dazu geführt, dass sie sich auf weniger konzentrieren. In Zeiten wie diesen aber ist weniger wirklich mehr. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Je hochwertiger ein Produkt in der Gesamtqualität anzusiedeln ist, desto einfacher ist es, ebendieses auch an den Mann zu bringen. Und Innovation wird noch immer gern gesehen.“
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„Natürlich sind Downloads für uns eine Alternative, die wir gern wahrnehmen werden. Der Distributionskanal Internet darf nicht außer Acht gelassen werden. Nur in ihm den Heilsbringer der Musikbranche zu sehen, halte ich für vollkommen utopisch. Und wenn das Internet und Downloads nur als moderne Anhörstation von zuhause gelten, rechtfertigen sich diese bereits. Derjenige, der nicht auf das haptische Erlebnis der CD verzichten möchte, wird sich das physische Produkt dann sowieso zulegen.“
Olly Hahn, Produktmanagement SPV:
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„Wir können uns nicht beklagen. Die Verkäufe sind stabil, wie wir in diesem Jahr bei unseren aktuellen CDs wie etwa ‚The Glorious Burden‘ von Iced Earth oder ‚Kings And Queens‘ von Axel Rudi Pell feststellen konnten. Wir veröffentlichen Qualität und versuchen, CDs in einer hochwertigen Verpackung und Limited Editions zu fairen Preisen in den Handel zu bringen.“
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„Vorstellen können wir uns Downloads auf jeden Fall. Wir sind hier bereits mit verschiedenen Stellen im Gespräch. Nur wird ein Download nie das Original ersetzen können. Da können wir auf die Metal-Fans bauen und ihnen vertrauen.“
Markus Staiger, President Nuclear Blast:
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„Wir versuchen weiterhin, den Käufern Qualität zu bieten, sowohl durch den Inhalt der Singles und Alben, als auch durch wertige Verpackungen und ansprechende Gestaltung der CDs und Platten. Zudem bemühen wir uns verstärkt, auf unsere Veröffentlichungen durch noch mehr Aufwand mit neuen Formen im Bereich Marketing und Promotion aufmerksam zu machen und nutzen dafür auch zunehmend die so genannten Neuen Medien.“
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„Wir gehen Mitte dieses Jahres mit allen Veröffentlichungen auch in den Onlineverkauf und überlassen es dann den Kunden, selbst dort zuzugreifen oder weiterhin Tonträger zu erwerben.“
Jochen Richert, Managing Director Soulfood:
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„Zum Glück kaufen die Metal Fans noch immer ihre Scheiben. Allerdings geht der Handel den falschen Weg und macht es den Vertrieben immer schwerer, die Platten in die Läden zu bekommen. Dadurch wandern immer mehr Metal-Fans zu den relevanten Mailorder-Firmen, da sie nur dort alle Titel finden, die sie wollen. Da der Handel in der Regel 100 Prozent Rückgaberecht hat, wäre etwas mehr Mut wünschenswert. Um die CDs für die Fans interessanter zu machen, versuchen wir entweder mit hochwertigen Verpackungen oder mit Bonusmaterial zu arbeiten. Des Weiteren streben wir einen niedrigen Ladenverkaufspreis an, indem wir mit sehr guten Nettopreisen oder gesenkten Handelsabgabepreisen arbeiten. Leider spielen auch hier einige Händler nicht mit und geben die guten Preise nicht an die Käufer weiter.“
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„Selbstverständlich müssen wir auch diesen Weg gehen, denn auch die Metal-Fans ziehen sich Musik aus dem Netz.“
Gino Naschke, General Manager, Sales & Marketing GSA Eagle Rock:
1.“Das Metal-Publikum ist in der Tat treu und gehört auch nicht zu der Klientel, die viel brennt oder aus dem Internet saugt. Deswegen ist der Markt in diesem Segment verhältnismäßig konstant, auch wenn es hier sicherlich vereinzelt zu kleinen Einbrüchen kommen wird und auch die B- und C-Klassen-Veröffentlichungen verschwinden werden. Gerade weil der Metal-Markt von vielen unterschätzt wurde, hat sich hier ein sehr beständiges Niveau bei den Abverkaufszahlen herauskristallisiert, auf das man sich verlassen kann.“
- „Sowohl bei Eagle Rock wie auch besonders beim deutschen Vertriebspartner edel spielen legale Downloads eine wichtige Rolle. Hierzu laufen gerade Vorbereitungen, aus denen sich in Zukunft viele interessante Perspektiven ergeben. Allerdings wage ich zu bezweifeln, ob gerade im Metal-Bereich diese Möglichkeit von den Fans in großer Zahl angenommen wird, denn hier stehen die physischen Originaltonträger mit schönen Booklets glücklicherweise in der Priorität noch ganz oben.“






