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UK erteilt Musikbranche Absage bei Schutzfristen

Die britische Musikwirtschaft hat den Kampf um eine Ausdehnung der Schutzfristen für Interpreten verloren: Die Gowers-Kommission will offenbar keine entsprechende Empfehlung aussprechen. IFPI-Chairman John Kennedy mahnt nun bei der britischen Regierung Rückendeckung an.

Die britische Musikwirtschaft hat den Kampf um eine Ausdehnung der Schutzfristen für Interpreten von den im Königreich vorgesehenen 50 auf die in den USA verbrieften 95 Jahre offenbar verloren: Wie bereits jetzt durchsickerte, will die Expertenkommission der britischen Regierung unter der Leitung des ehemaligen „Financial Times“-Chefredakteurs Andrew Gowers im Laufe dieser Woche keine entsprechende Empfehlung aussprechen. Längere Schutzfristen würden der Entwicklung künstlerischer Kreativität keine neuen Impulse geben, so war zu hören.

Zuvor hatte die Musikwirtschaft, angeführt von Branchenvertretern wie EMI-Chef Eric Nicoli und bald vom Auslaufen der Schutzfristen auf frühe Aufnahmen betroffenen Künstlern wie Cliff Richards, eine umfassende Kampagne auf den Weg gebracht. Nicoli hatte dabei unter anderem argumentiert, die Schutzfrist von nur 50 Jahren würde Unternehmen wie EMI zustehende Profite streitig machen, die entsprechend auch nicht mehr für den Aufbau neuer Künstler zur Verfügung stünden.

IFPI-Chairman John Kennedy bezeichnete die Absage der Gowers-Kommission an die Kreativwirtschaft als eine Enttäuschung, die allerdings nicht völlig überraschend komme. Es hätte bereits seit einiger Zeit Gerüchte gegeben, nach denen Gowers selbst die Vorschläge der Musikbranche nicht für angemessen gehalten habe. Nun setzt Kennedy seine Hoffnung auf die Politik: „Trotzdem handelt es sich bei diesem Bericht nur um eine Empfehlung, letzten Endes muss die Regierung eine Entscheidung fällen.“

Politiker in Großbritannien und Europa würden so häufig auf die wachsende Bedeutung der Kreativwirtschaft und der Kulturindustrie verweisen, doch eine Absage an die Verlängerung der Schutzfristen würde diese Aussagen als hohle Phrasen entlarven: „Wir haben uns schon bei den produzierenden Industrien das Wasser abgraben lassen, werden wir nun der Kreativwirtschaft denselben mangelnden Rückhalt gewähren?“

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