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UK-Branche rätselt über Charts-Tauglichkeit von „Planet Earth“

Die Newcomer-Band The Enemy belegt aktuell Platz eins in den britischen Albumcharts – und nicht Prince. In der kommenden Woche soll sich das ändern, wenn es nach dem Willen der „Mail on Sunday“ geht. Doch der Tonträgerhandel meldet weiterhin Einspruch an.

Die Newcomer-Band The Enemy belegt aktuell Platz eins in den britischen Albumcharts – und nicht Prince. In der kommenden Woche soll sich das ändern, wenn es nach dem Willen der „Mail on Sunday“ geht. Doch der Tonträgerhandel meldet weiterhin Einspruch an.

2,9 Millionen Exemplare der Sonntagszeitung wurden am 15. Juli zusammen mit einem Gratis-Exemplar des aktuellen Prince-Albums „Planet Earth“ ausgeliefert – die einzige Möglichkeit, in Großbritannien legal an das Werk zu kommen. Nach Ansicht von „Mail“-Geschäftsführer Stephen Miron allemal genug, um die UK-Charts im Sturm zu erobern. Nur: Die Official UK Charts Company will die Platte nicht in ihrer Hitliste aufführen, weil man nicht nachweisen könne, dass es sich bei den 2,9 Millionen Verkäufen der Zeitung auch um „echte Käufe“ von Menschen handelt, die sich eine CD kauften.

Für Miron ist diese Frage völlig unerheblich. In einem Brief an die Charts-Ermittler droht er gegebenenfalls mit Rechtsmitteln, sollte sich die UK Chart Company weigern, die Verkäufe des Prince-Albums anzuerkennen. „Damit würde Prince sein Recht auf Platz eins in UK verweigert“, so Miron. Beim Händlerverband ERA sieht man die Angelegenheit etwas anders: Nur weil die „Mail on Sunday“ 2,9 Millionen Prince-CDs auf die sonntäglichen Frühstückstische gepfeffert hat, heißt das noch lange nicht, dass alle diese Kopien auch angehört werden. Diese Stückzahl bedeutet beinahe zwei Mal so viel wie Prince in den letzten 13 Jahren regulär in Großbritannien verkaufen konnte.

Laut ERA-Recherchen fand das letzte Album „3121“ nur 78.866 Käufer in UK. Durchschnittlich setzte der Künstler von seinem Backkatalog in den letzten 13 Jahren 133.000 Exemplare pro Jahr ab. Zusammen macht das 1,73 Millionen Einheiten. „Wenn man sich diese Verkaufsgeschichte ansieht, dann kann man also fast sicher annehmen, dass mindestens eine Million dieser von der ‚Mail‘ ausgelieferten CDs auf der Müllkippe landen werden“, erklärte ERA-Chairman Paul Quirk. Die Anzahl an Tonträgern, die das Blatt am vergangenen Sonntag in Umlauf gebracht hatte, sei sogar mehr als die gesamte britische Branche in einer Woche verkaufen könne.

Inzwischen verbreitet sich „Planet Earth“ auch über die diversen Internet-Tauschbörsen und wird auch bei eBay fleißig zum Kauf angeboten. Die Preise der Sofortkauf-Gebote beim deutschen Ableger des Internetauktionshauses scheinen sich mit 9,99 Euro oder 16,95 Euro dabei durchaus an normalen Handelspreisen zu orientieren. Und offenbar haben auch andere Künstler Gefallen an der ungewöhnlichen Idee gefunden, ihre Musik auf diese Weise unter das Volk zu bringen. Laut Miron haben in einer Reaktion auf die Prince-Aktion bereits einige international bekannte Acts Interesse angemeldet.

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