Nachdem die US-Fachhandelskette Tower Records nur durch den erneuten Gang zum Insolvenzgericht den laufenden Geschäftsbetrieb unter Gläubigerschutz aufrechterhalten konnte, geben Experten dem Traditionshaus nur geringe Überlebenschancen. Die Geier kreisen schon über dem waidwunden Unternehmen.
Als wahrscheinlichster Käufer der verbleibenden Insolvenzmasse gilt wieder einmal Trans World Entertainment (TWE). Die Medienhandelskette mit knapp 1100 Filialen hatte erst vor wenigen Monaten die Reste des bankrotten Mitbewerbers Musicland geschluckt und gilt als einziges Unternehmen, das aus Tower das Bestmögliche heraus holen könnte. Laut Barry Sosnick, Unternehmensberater und Fachmann im US-Handel, wird Tower wohl zum Schnäppchen für TWE werden.
Mehr als die Übernahme der Schulden werde Trans World kaum bezahlen, sagte Sosnick dem „Sacramento Business Journal“. Die Kette habe förmlich auf diesen Moment warten können: „Wenn man der einzig relevante Käufer ist, muss man sich nicht beeilen und auch nicht viel bezahlen.“ TWE betreibt unter den Markennamen f.y.e., Coconuts, Wherehouse Music, Strawberries, Second Spin oder CD World Medienshops hauptsächlich in Einkaufszentren. Mit klassischen Plattenläden wie den 89 Tower-Filialen haben diese Geschäfte jedoch kaum etwas gemeinsam.
Nach Ansicht von Sosnick wird TWE nach der Übernahme einzelne Niederlassungen von Tower in guten Lagen weiterführen, für den Rest und vor allem für die Firmenzentrale in West Sacramento sei aber bald Schluss. Ein Aufkauf der Tower-Reste durch eine andere Firma gilt als möglich, aber unwahrscheinlich. In der US-Branche fungiert die vor wenigen Jahren missglückte Integration von Musicland in die Elektrohandelskette Best Buy noch immer als abschreckendes Beispiel für derlei Deals.





