Er gilt als eine Lichtgestalt des amerikanischen Tonträgerhandels. Mit der Auflösung seines Lebenswerks Tower Records drohte Gründer Russ Solomon als Pleitier in die Geschichte einzugehen. Nun wagt der 81-Jährige genau dort mit einem Plattenladen einen Neustart, wo er vor 47 ins Geschäft eingestiegen war.
An der Kreuzung, wo sich im kalifornischen Sacramento die 16. Straße und der Broadway treffen, hatte Solomon seinen ersten Tower-Shop eröffnet. Damals schon hatte er rund 20 Jahre in der Branche hinter sich. Im Oktober 2006 musste Solomon dann zuschauen, wie sein seit Jahren angeschlagenes Unternehmen per Versteigerung aufgelöst wurde. Vom Loch, das diese Insolvenz in die US-Handelslandschaft riss, hat sich die Branche bis heute nicht erholt.
Im hohen Alter denkt er jedoch nicht ans Aufhören. R5 Records & Video soll ein letztes Ausrufezeichen hinter die Karriere des Russ Solomon setzen. In den kommenden zwei Wochen wird der Laden mit knapp 560 Quadratmetern Verkaufsfläche, 40.000 Musik- und 15.000 DVD-Titeln seine Pforten öffnen. An 365 Tagen im Jahr will Solomon dann für seine Kundschaft da sein; dabei helfen werden neun Angestellte, von denen die meisten jahrelang das Tower-T-Shirt trugen. Der Dienstälteste arbeitet seit 33 Jahren für Solomon.
„Ich bin davon überzeugt, dass noch Leben im Tonträgerhandel steckt“, meint der Händlerveteran. „Wir müssen uns auf die Kunden konzentrieren, die Musik lieben und ihnen eine exzellente Auswahl bei vernünftigen Preisen bieten.“ Vor allem müsse der Service und die Fachkenntnis des Personals stimmen. Nur so könne man sich von Großketten oder Onlineangeboten unterscheiden. Warum er sich das ausgerechnet in einem Jahr, in dem der CD-Absatz in den USA mit 20 Prozent im Minus ist, antut, wollte die Lokalzeitung von ihm wissen. „Ich bin verrückt. Vermutlich liegt’s im Blut. Wahrscheinlich vor Jahren eine Überdosis Schellack abbekommen.“
In Wahrheit will Solomon nur nicht als Verlierer abtreten. Trotz der Schwierigkeiten mit Tower habe die Kette auch in weniger guten Zeiten nicht unbedingt schlecht dagestanden: Im letzten vollständigen Geschäftsjahr, das am 30. Juni 2006 endete, schrieben 76 der damals 89 Tower-Filialen schwarze Zahlen. Nun wird sich zeigen, wie erfolgreich R5 sein kann. Das Startkapital steuert der Senior selbst bei – dem Vernehmen nach zwischen 750.000 und einer Million Dollar. Für die Zukunft hofft Solomon auf externe Geldgeber – für neue Filialen. „Ich kann doch nicht bei einem Laden aufhören.“






