Wenige Tage nach der Versteigerung von Tower Records an eine Liquidationsfirma kommt das Ausmaß der Händlerpleite ans Licht. Rund 2700 Mitarbeiter werden ihre Jobs verlieren, die 89 Filialen des Traditionshauses aus der US-Handelslandschaft verschwinden. Die Great American Group hatte bei der Auktion am 6. Oktober mit einem Gebot von 134,3 Mio. Dollar den Zuschlag erhalten. Wie MusikWoche berichtete, hat der Spezialist für Firmenauflösungen indes nicht alle Reste der insolventen Facheinzelhandelskette übernommen.
Die Firma Norton sicherte sich bei der Versteigerung die Namensrechte von Tower Records, die Website tower.com und noch eine Reihe nicht näher definierter Assets. Der Laden auf dem Sunset Boulevard von Los Angeles und das zugehörige Gebäude, das in Besitz von Tower war, ging für zwölf Mio. Dollar an eine Immobilienfirma. 300 der Arbeitsplätze fallen in der Tower-Zentrale in West Sacramento weg. Doch zuvor muss die Firma vollständig abgewickelt werden. Die Räumungsverkäufe werden vermutlich noch bis Ende November andauern. Dabei sollen sämtliche Lagerbestände an CDs, DVDs und sonstigen Waren versilbert werden. Insgesamt wird die Auflösung von Tower rund 150 Mio. Dollar einbringen – mehr als manche Beobachter erwartet hatten, aber auch deutlich weniger als die Hälfte des Firmenwertes, auf den Tower Records Anfang der 90er-Jahre geschätzt wurde.
Die 155 international unter Tower-Flagge segelnden Shops sind von der Insolvenz übrigens nicht betroffen – sie wurden bereits vor Jahren per Verkauf vom Mutterhaus abgetrennt. Tower-CEO Joe D’Amico bedauerte in einer E-Mail an seine Belegschaft das Ergebnis der Versteigerung. Wie viele in der Branche hatten er und seine Kollegen auf einen Zuschlag für Trans World Entertainment gehofft – die Handelskette hätte Tower zumindest in Teilen erhalten. Auch der 81-jährige Firmengründer Russ Solomon wandte sich an die Mitarbeiter. In Anlehnung an ein amerikanisches Sprichwort schrieb er: „Die fette Lady hat gesungen … und traf den Ton nicht. Danke. Danke. Danke.“ Von den Erlösen aus dem Verkauf der Konkursmasse wird Solomon trotz seines 15-prozentigen Anteils am Unternehmen nichts erhalten. Die Einnahmen werden nur zur Tilgung von Schulden verwendet. Das Ende von Tower reißt ein Loch in die US-Handelslandschaft.
Branchenexperten mutmaßen, dass der Filialist bei manchen Nischenprodukten für 40 bis 50 Prozent der landesweiten Verkäufe verantwortlich war. Der einzige verbleibende Fachhändler mit einer annähernd vergleichbaren Sortimentstiefe ist die Kette Virgin Megastores, die allerdings nur 20 Niederlassungen in den USA hat.





