Recorded & Publishing

Tiscali schaltet seine Juke Box ab

Der Internetdienstanbieter Tiscali sieht sich von der Tonträgerindustrie gezwungen, sein Musikportal Free Juke Box aus dem Netz zu nehmen. Mario Mariani, SVP Media & VAS bei Tiscali, wirft den europäischen Plattenfirmen in einem offenen Schreiben vor, die Entwicklung legaler Downloads zu behindern.

Der Internetdienstanbieter Tiscali sieht sich von der Tonträgerindustrie gezwungen, sein Musikportal Free Juke Box aus dem Netz zu nehmen. Mario Mariani, SVP Media & VAS bei Tiscali, wirft den europäischen Plattenfirmen in einem offenen Schreiben vor, die Entwicklung legaler Downloads zu behindern.

Die Free Juke Box wurde am 26. April in Betrieb genommen und ermöglichte es Nutzern Millionen von Songs auf einer P2P-Plattform legal anzuhören. Die Stücke können dabei zwar beliebig oft angewählt, allerdings nicht – wie bei illegalen Tauschbörsen – heruntergeladen oder abgespeichert werden. Mariani sagte: „Dieses Angebot wurde nun von den großen Plattenlabels Europas als ‚zu interaktiv‘ verurteilt. Und das nur, weil es Nutzern des Internets – dem interaktivsten aller Medien – zusätzlich zur Suchfunktion nach Genres auch eine Suche nach Künstlern erlaubt.“ Mariani erklärte, Online-Musikrechte seien in zwei Kategorien aufgeteilt: Zum einen gäbe es nicht interaktive Rechte, die mit den Verwertungsgesellschaften zu verhandeln seien. Zum anderen existierten interaktive Rechte, die mit den jeweiligen Plattenfirmen ausgehandelt werden müssten. Die Unternehmen forderten von Tiscali entweder die Suchmöglichkeit nach Künstlern zu löschen oder die interaktiven Rechte individuell mit den verschiedenen Labels zu besprechen. Tiscali lehnte beide Optionen ab und nimmt seinen Dienst nun vom Markt.

Mariani meinte, dass die betreffenden Firmen legale Downloadportale nicht angemessen unterstützen und warf der Industrie eine „konservative Einstellung“ vor. Zudem wies Mariani darauf hin, dass Tiscalis Kooperationspartner Mercora in den USA und Kanada unbehindert erfolgreich arbeiten könne. Der kalifornische P2P-Radio-Anbieter Mercora hatte die Free Juke Box mit einer für den europäischen Markt zugeschnittenen Version seines Streamingdienstes erst möglich gemacht.

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