musikwoche.de: Ist der neue Job eine große Herausforderung?
Sylvia Kollek: Auf jeden Fall. Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe. Wir sind mit einem hervorragenden Team aufgestellt. Das vergangene Geschäftsjahr, das am 31. März endete, haben wir sehr gut abgeschlossen. Wir haben neue Künstler aufbauen und breaken können – und dies in einem massiv eingebrochenen Markt. In den letzten Jahren haben wir unseren Marktanteil kontinuierlich gesteigert.
mw: Wie hoch ist der Marktanteil von EMI derzeit?
Kollek: Laut IFPI liegen wir mit EMI Recorded Music bei knapp 15 Prozent. Wir wollen mit Capitol Records Germany unseren Marktanteil nicht nur stabilisieren, sondern auch ausbauen.
mw: Ändert sich durch die Neustrukturierung der Führungsstil?
Kollek: Grundsätzlich prägt die eigene Persönlichkeit natürlich den Führungsstil. Durch unsere neue flache Struktur wird es noch bessere Möglichkeiten zum eigentlichen Teamwork geben. Und der einzelne Mitarbeiter muss sich nicht von steilen Hierarchien gebremst sehen.
mw: Wie ist die Motivation im Team nach all den Wochen der Unklarheit und Unsicherheit?
Kollek: Wir haben unsere neue Struktur und die damit verbundenen nötigen Maßnahmen in sehr kurzer Zeit umgesetzt. Dass dies keine leichte Aufgabe für alle Beteiligten beziehungsweise für die Betroffenen war, dürfte jedem klar sein. Wenn ich mir das Team so ansehe: Die magische Schranke ist passiert, der Jahresabschluss liegt hinter uns – unser Blick geht wieder nach vorn.
mw: Welche Punkte stehen auf Ihrer To-do-Liste ganz oben?
Kollek: Wir haben einige lokale und internationale Newcomer in diesem Jahr, die sich auch mit Sicherheit im Markt durchsetzen werden. Unser Ziel ist sowohl der langfristige Aufbau von neuen Künstlern als auch kurzfristige Erfolge, wie zum Beispiel im Dance-Bereich. Wir haben in den letzten zwei Jahren die effizienten Wege und Maßnahmen für erfolgreiche Marktdurchsetzung identifiziert und umgesetzt; das werden wir fortführen. Dabei wird lokale A&R-Arbeit auch weiterhin im Vordergrund stehen.
mw: Wie groß ist der Anteil an nationalen Produktionen?
Kollek: Wir haben leider nicht jedes Jahr ein Album von Herbert Grönemeyer oder Pur, aber wir werden auch in diesem Geschäftsjahr bei etwa 40 Prozent Umsatzanteil lokaler Signings liegen.
mw: Ist es eine Umstellung, sich nun mit Virgin einen gemeinsamen Vertrieb zu teilen?
Kollek: Der Vertrieb ist in seiner jetzigen Struktur darauf ausgerichtet, die jeweiligen Repertoire-Divisionen zu bedienen. Es gibt die entsprechenden Vertriebsstellen und -funktionen, um das Notwendige zu koordinieren und zu filtern. Aber wir werden uns in den Labels künftig noch stärker fokussieren müssen. Dies fordert der Markt, und darauf ist unsere Struktur ausgerichtet.
mw: Wie sehen Sie die Entwicklung in den nächsten Monaten?
Kollek: Der Markt wird sich laut der Prognosen zwar ein wenig erholen, aber richtig nach oben zeigt der Trend noch nicht. Ab sofort veröffentlichen wir alle lokalen Releases mit Kopierschutz. Und wir gehen davon aus, dass diese technologische Maßnahme das Brennerproblem einschränken wird. Mit PhonoLine versuchen wir, den illegalen Downloads ein legales Angebot entgegenzusetzen. Hinzu kommt, dass wir uns natürlich auch weiterhin intensiv um die Veröffentlichung und Vermarktung von entsprechenden Musik-DVDs kümmern. Eine Verdreifachung des Volumens in den letzten beiden Jahren ist eine ermutigende Marke für alle Beteiligten. Es gibt viele Ansätze. Wir glauben, dass bis Jahresende eine leichte Erholung des Marktes erkennbar sein wird – zumindest ein Ende der Talfahrt.






