Recorded & Publishing

Stringer sieht noch viel Arbeit für die Musikbranche

Sir Howard Stringer, Chef des Sony-Konzerns, sieht die Musikbranche am Scheideweg. Statt Rückzugsgefechte gegen Copyright-Vergehen zu bestreiten, müssten sich Labels darum bemühen, die neuen digitalen Bedürfnisse der Fans zu befriedigen.

Sir Howard Stringer, Chef des Sony-Konzerns, sieht die Musikbranche am Scheideweg. Statt Rückzugsgefechte gegen Copyright-Vergehen zu bestreiten, müssten sich Labels darum bemühen, die neuen digitalen Bedürfnisse der Fans zu befriedigen, erklärte Stringer im Interview mit der „Financial Times“.

Die Branche habe wahrscheinlich die Talsohle noch nicht ganz erreicht. Es gebe allerorten noch deutliche Verluste zu verzeichnen, so der Sony-CEO. Doch das Digitalgeschäft lege stetig zu. „In einigen Fällen macht es bereits 40 Prozent des Business aus. Und unsere japanische Plattenfirma verdient sogar endlich Geld. Dort werden die sinkenden CD-Verkäufe mit anderen Erlösquellen wett gemacht. Und das sind nicht nur digitale Verkäufe. Da geht es auch um Merchandising und Konzerte.“

Doch generell sei zu beobachten, dass die Musikindustrie sich noch immer selbst bemitleide, sagte Stringer. Natürlich sei es nicht fair, dass Urheberrechte mit Füßen getreten werden, „aber die Wahrheit ist eben: Die Konsumenten bekommen die Musik, die sie wollen. Wenn wir also Wege finden, das Digitalzeitalter für uns zu nutzen, statt es weiter so begeistert – oder eher: bemitleidenswert – zu bekämpfen, dann stehen wir wahrscheinlich wieder ganz gut da“.

Es gehe darum, die weiterhin beachtliche Nachfrage nach Musik zu befriedigen. „Es ist ja nicht gerade so, dass die Leute sagen: ‚So, mir reicht’s jetzt. Ich hör‘ keine Musik mehr.'“ Sony sei schließlich auch ein Technologieunternehmen, das in der Lage sein müsse, seine Inhalte auf zeitgemäßen digitalen Kanälen zu den Kunden zu bringen. Dabei gehe es aber nicht um die Ausübung von Kontrolle über einen Vertriebsweg. „Kontrollieren kann das niemand. Regulieren vielleicht. Der Kunde hat die Kontrolle.“

Für Sony gehe es daher darum, sowohl für Künstler als auch für Konsumenten nützlich zu sein. „Wir waren über all die Jahre vielleicht die verhasste Plattenfirma, weil die Menschen geglaubt haben, dass wir zuviel Geld verdient haben. Aber wir haben auch einer Menge Künstlern zu Erfolgen verholfen. Das Verhältnis einer Musikfirma zu Künstlern muss intim und von gegenseitiger Unterstützung geprägt sein, dann wird es auch in Zukunft eine Daseinsberechtigung für Labels geben. Wenn ein Label das nicht schafft, dann hat es auch nicht verdient, zu überleben.“

Mehr zum Thema