Die britische Zweigstelle des italienischen Internet Service Providers Tiscali hat die Forderungen des Branchenverbands BPI nach Sanktionen gegen illegale Downloader scharf zurückgewiesen. Die Musikbranche müsse erst glaubhafte Beweise gegen Tiscali-Kunden vorlegen, bevor man beim Netzanbieter über Maßnahmen nachdenke.
Die BPI hatte am 10. Juli von den ISPs Tiscali und Cable & Wireless die Abschaltung von 59 Onlinezugängen gefordert. Die Inhaber dieser Anschlüsse sollen signifikante Mengen urheberrechtlich geschützter Songs über P2P-Netzwerke angeboten haben. Die angeblich „eindeutigen“ Beweise gegen 17 Kunden von Tiscali sowie gegen 42 Nutzer von Cable & Wireless hatten BPI-Fahnder selbst in den P2P-Netzen gesammelt. Danach wurden die ISPs gebeten, diese 59 Zugänge solange zu sperren, bis deren Inhaber ihre illegalen P2P-Aktivitäten beendeten.
Doch bei Tiscali ist man von den BPI-Belegen nicht überzeugt. Der Branchenverband habe dem Netzanbieter keine Beweise vorgelegt, die den Nachweis von illegalen Downloads erbringen. Man habe lediglich unzureichende Hinweise in Bezug auf einen Tiscali-Kunden erhalten, zu den anderen 16 Verdächtigten habe die BPI gar keine Informationen präsentiert. In einem Brief an die BPI verlangt der ISP nun Dateneinsicht und fordert unmissverständliche Beweise, die ein illegales Handeln der User belegen. Außerdem kündigte Tiscali an, dass man ohne einen Gerichtsbeschluss keine Nutzerdaten und Namen herausgeben werde.
Allerdings hat Tiscali mit dem ersten Verdächtigen Kontakt aufgenommen und wird dessen Onlinezugang sperren, sollte der User sich nicht binnen sieben Tagen zurückmelden. Der ISP mit rund 1,2 Mio. Breitbandkunden in Großbritannien signalisierte zwar Kooperationsbereitschaft und versicherte erneut, dass er keine Urheberrechtsverletzungen in seinen Netzwerken dulde, doch es scheint, als hätten die Plattenfirmen einen zähen juristischen Kampf mit den Providern vor sich.





