Recorded & Publishing

Streifzug durch den Kongress: Pragmatismus prägte die Messe-Panels

Die digitale Zukunft dominierte den Popkomm.-Kongress nicht im gleichen Ausmaß wie in den Jahren zuvor. Statt Online-Blütenträumen herrschte die nüchterne Auseinandersetzung mit dem Geschäft der Gegenwart vor.

Zeitgemäße Formen der Kooperation zwischen Musikfirmen, elektronischen Massenmedien und der Markenartikelindustrie standen im Fokus des von musikwoche.de präsentierten Panels „Nächste Ausfahrt: Zielgruppe“.

Dabei waren sich die Diskutanten einig, dass das Phänomen der Medienkooperationen „der Marketingtrend der letzten zwei Jahre“ sei, wie sich MME-Mitinhaber Christoph Post ausdrückte. Allerdings bestehe bereits die Gefahr einer Inflationierung dieses Instruments. Ganz am Anfang dagegen befindet sich die Musikindustrie nach Einschätzung von Polydor-Geschäftsführer Jörg Hellwig hinsichtlich der Zusammenarbeit mit der Werbeindustrie, der er allerdings vorwarf, in Trittbrettfahrer-Manier meist lediglich am PR-Wert bereits etablierter Superstars interessiert zu sein.

„Wir haben inzwischen festgestellt, dass es ein ganz normales Business ist“, sagte Tim van Dyk (New Media Manager Warner Music Germany) zu Beginn der Diskussion um die „Online-Strategien der Plattenfirmen“. Julia Rübsamen (BMG) erklärte abschließend: „Wenn wir unsere Hausaufgaben gemacht haben, können wir beginnen, uns mit dem Handel über Distributionsmodelle zu verständigen.“ Die Teilnehmer des Panels „Zwischen Plattenregal und Download-Station – Wege aus der Handelskrise“ waren sich schnell darin einig, dass derzeit nicht von einer Handelskrise sondern vielmehr „von einer Marktkrise“, wie aMM-Geschäftsführer Uwe Imhof betonte, zu sprechen sei.

Udo Lauen (Commercial Director Warner Music Germany), erkannte allerdings die unterschiedlichen Ausgangspositionen der Marktteilnehmer: „Die Industrie muss sich selber helfen, der Handel kann das nicht.“ Unternehmensberater York Herpers betonte im Zusammenhang mit dem Wettbewerb zwischen Fachgeschäften und Märkten, für unternehmerisch denkende Inhaber gebe es bei Umsatzrückgängen durch starke Mitbewerber drei Punkte, über die sie nachdenken müssten: „Das ist erstens der Standort, dann der Standort und schließlich noch der Standort.“

Im Rahmen des Panels „Gib Künstlern eine Chance – Wunsch und Wirklichkeit“ räumten vor allem Virgin-Geschäftsführer Udo Lange und Hartwig Masuch (Geschäftsführer BMG UFA Musikverlage) Versäumnisse der Industrie beim Künstleraufbau ein. Lange konstatierte ein „mageres Ergebnis“ der 200 bis 300 A&Rs in Deutschland, was man am mangelnden internationalen Ansehen deutscher Acts ablesen könne. „Dass sich jüngere Leute weniger für Musik interessieren, muss auch mit den Inhalten zu tun haben“. Masuch beklagte, die Industrie betreibe „Geldvernichtung“, indem sie statt in Nachwuchsförderung in „Foyers und Ausstattung, die man nicht braucht“, und in „Videos, die keiner sehen will“, investiere.

Die Protagonisten der Diskussionsrunde „Konzertagenturen vs. Plattenfirmen?“ stimmten überein, dass die Zusammenarbeit zwischen diesen Branchenzweigen verbesserungswürdig sei. So mahnte Stefan Güntner (Peter Rieger Konzertagentur) an, dass die Plattenindustrie die Veranstalter oft nicht oder zu spät über ihre Marketing- und Promotionaktivitäten informiere.

Die deutsche Dance-Szene diskutierte über den Stellenwert von House Music in den deutschen Charts: „House verkauft sich nicht – Gerücht oder Realität“. Während eine Gruppe der Teilnehmer das unzureichende A&R-Niveau deutscher House-Music für die geringe Anzahl von Charts-Erfolgen aus diesem Genre verantwortlich machte, kritisierten die anderen die schlechte mediale Situation von House.