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Steve Jobs fordert Majors zum Verzicht auf DRM auf

Das Branchenjahr begann mit schlechten Bilanzen allerorten und der Debatte über eine mögliche Abkehr von DRM-Systemen im Downloadverkauf. Mit einem offenen Brief bringt ausgerechnet Apple-Chef Steve Jobs Schwung in die Diskussion.

Das Jahr 2007 begann für die Branche allerorten mit schlechten Bilanzen und der bislang recht akademischen Debatte über eine mögliche Abkehr von Digital-Rights-Management-Systemen (DRM) im Downloadverkauf. Mit einem außergewöhnlichen – weil seltenen – offenen Brief bringt nun ausgerechnet Apple-Chef Steve Jobs Schwung in diese Diskussion.

In seinen „Gedanken zur Musik“ kommt er zu dem Schluss, dass DRM als Schutz vor Piraterie nie eine Lösung war und vermutlich nie sein wird. Daher fordert Jobs die vier Majorkonzerne auf, bei der Erteilung von Lizenzen für den Onlineverkauf künftig ganz auf den Einsatz von DRM zu verzichten. „Das wäre eindeutig die beste Option für die Kunden.“ Und Apple würde dies im Handumdrehen umsetzen, so Jobs. Er weist dabei auf einen bekannten, wenngleich in der Diskussion selten genannten Umstand hin: „Obwohl die vier großen Plattenfirmen verlangen, dass ihre Musik DRM-geschützt sein muss, wenn sie online verkauft wird, verkaufen die Majors weiterhin jedes Jahr Milliarden CDs ohne Kopierschutz.“

Während im letzten Jahr weltweit knapp zwei Milliarden Songs in den diversen Downloadshops der Welt verkauft worden seien, habe die Tonträgerindustrie gleichzeitig mehr als 20 Milliarden Songs auf CDs ohne jegliches DRM abgesetzt. Für Jobs erschließt sich daraus kein Nutzen für die Plattenfirmen. „Im Gegenteil. Den technischen Sachverstand und das Personal, das man benötigt, um ein DRM-System zu entwickeln und auf dem aktuellen Stand zu halten, hat die Zahl der Marktteilnehmer, die DRM-geschützte Musik verkaufen können, eingeschränkt.“

Sollten sich die Majors indes von ihrem DRM-Dogma verabschieden, wäre mit zusätzlichen Investitionen und einem neuen Boom im Digitalgeschäft zu rechnen. In seiner Analyse zum Status Quo des Digitalgeschäfts geht Jobs auch ausführlich auf die Vorwürfe gegen Apple bezüglich der Inkompatibilität von iTunes und iPod mit anderen Systemen ein. In dieser Frage sei es „nützlich, sich in Erinnerung zu rufen, dass alle iPods auch Musik ohne DRM abspielen können“, wie zum Beispiel die frei lizenzierbaren Formate MP3 und AAC.

Bei der im iTunes Store erhältlichen Musik liege jedoch „der Hase im Pfeffer“. Apple habe sich bei der Einführung des iTunes Store nur auf Druck der Plattenfirmen für die Verwendung eines DRM-Systems entscheiden müssen. Und Kopierschutzmechanismen funktionieren laut Jobs auf Dauer nur dann, wenn bestimmte Programmcodes geheim bleiben. Daher sei man auch nicht bereit, die DRM-Eigenentwicklung FairPlay an Dritte zu lizenzieren – eine Einstellung, die auch Microsoft mit der Zune-Plattform und Sony mit dem Connect-Shop bestätigten. Vorwürfe, die sich Apple vor allem von Verbraucherschützern aus Europa gefallen lassen muss, wies Jobs zurück:

Keineswegs seien iPod- oder iTunes-Kunden durch das proprietäre DRM zum Musikkonsum via Apple gezwungen. Zum Beleg stellt er eine Rechnung an: Bis Ende 2006 habe Apple 90 Millionen iPods und zwei Milliarden Songs über iTunes verkauft. Das sind im Schnitt 22 Tracks pro Player. Der derzeit beliebteste iPod hat ein Fassungsvermögen von 1000 Songs; 22 gekaufte Titel auf diesem voll geladenen Gerät bedeuten also, dass weniger als drei Prozent des iPods mit DRM-geschützter Musik bespielt sind. „Wer mit dieser Situation nicht zufrieden ist, sollte seine Energien lieber darauf verwenden, die Musikfirmen vom DRM-freien Verkauf ihrer Musik zu überzeugen.“ Wer die Majors dazu bringe, werde für ein Marktumfeld sorgen, das Interoperabilität ermöglicht. „Apple wird dies voll und ganz unterstützen“, erklärte Jobs.

MusikWoche beschäftigt sich in einer aktuellen Onlineumfrage mit dem Thema DRM: Hat Steve Jobs recht mit seinen Forderungen, fehlen nur die gesetzlichen Rahmenbedingungen oder versucht der iTunes-Vordenker, der Musikwirtschaft den Schwarzen Peter zuzuschieben?

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