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Stella und DEAG: Das Ende einer jungen Beziehung

Die Ankündigung der Deutschen Entertainment AG, ihren Anteil an Stella Entertainment zu veräußern, markiert das Ende eines ehrgeizigen Plans: „Stella soll 2003 oder 2004 die 500-Millionen-Mark-Grenze beim Umsatz erreichen“, gab DEAG-Vorstandsvorsitzender Peter L. H. Schwenkow Mitte August 2001 im Interview mit musikwoche.de als Ziel vor.

musikwoche.de gibt einen kurzen Abriß über die wechselvolle Geschichte des Musical-Riesen in den vergangenen Jahren.

1998 – Finanzkrise und die Suche nach einem Investor

Ein Blick auf die jüngere Geschichte von Stella zeigt, dass das Unternehmen nur selten frei von finanziellen Sorgen war. Vor nicht ganz vier Jahren, im März 1998, zum Preis von rund 25 Millionen Euro mit fünf Prozent an der Stella AG, die damals im Mehrheitsbesitz von Rolf Deyhle war. Deyhle versuchte schon damals, seine Aktiengesellschaft an die Börse zu bringen. Stella beschäftigte im Jahr 1998 nach eigenen Angaben 7.500 Mitarbeiter, 2500 davon arbeiteten in Stuttgart.

Ein paar Wochen später berichtete der „Spiegel“, dass sich Deyhle finanziell übernommen habe und neben seiner Gemäldesammlung auch seien. Wegen fehlender Sicherheiten und undurchschaubarer Bilanzen komme Deyhle kaum noch an Kredite. Der Plan, Stella an die Börse zu bringen, bestehe aber weiter, als möglicher Erlös sind rund 250 Millionen Euro im Gespräch.

Ende Mai 1998 berichtet das Nachrichtenmagazin „Focus“, dass die Börsenpläne aufgegeben wurden und Rolf Deyhle statt dessen einen .

1999 – Massenentlassungen und ein Insolvenzverfahren

Das Jahr 1999 beschert im März 1000 Mitarbeitern der Stella AG die Kündigung: Vorstandsvorsitzender Hemjö Klein . 1998 habe die Aktiengesellschaft bei einem Umsatz von rund 240 Millionen Euro 45 Millionen Euro Verluste gemacht. Klein bezeichnete die Lage des Unternehmens „als äußerst ernst“.

Im November 1999 ist es soweit, Kleins Einschätzung bewahrheitet sich: . Die erforderlichen Gelder sollen jetzt aus dem Management kommen. Darüber hinaus laufen nach eigenen Angaben Gespräche mit einem Investor, den Stella noch nicht benannt hat.

2000 – Die DEAG kommt ins Spiel

Der rettende Investor findet sich im Jahr 2000: Am 28. Februar gibt die DEAG bekannt, . Der Musical-Betrieb in den rentablen Spielstätten soll nach Auskunft von DEAG-Chef Schwenkow weitergehen. Auch der niederländische Unternehmer John van den Ende, Mitbegründer der Endemol Produktionsgesellschaft, wollte den Musical-Konzern kaufen und hatte dafür 30 Millionen Euro geboten.

Ende Oktober überrascht Schwenkow die Finanzexperten mit einem unkonventionellen Schritt: Stella Musical soll : Die DEAG erwirbt die Mehrheit an der Hegener + Glaser AG, die Firma soll im Dezember in Stella Entertainment umbenannt und die Broadway Musical Management GmbH (BMM) eingebracht werden. Die neugeschaffene AG soll dann am Geregelten Markt in München und Hamburg gehandelt werden.

2001 – Stella an der Börse

Im Januar 2001 ist es vollbracht: . Hauptaktionär ist die DEAG, die derzeit 59,29 Prozent des Aktienkapitals hält. Aufsichtsratsvorsitzender ist Schwenkow, zum CEO wurde Klaus von der Heyde berufen.

Randnotiz: Im April kündigt PopNet an, , fünf Monate später meldet PopNet .

Im August kommentiert Schwenkow im Interview mit musikwoche.de die Erfolgsaussichten von Stella wie folgt: „Bei der Stella AG sehe ich erheblichen Spielraum, der aber nicht ausschließlich im Musicalbereich steckt. Wir besitzen zur Zeit sechs Theater, die wir weiter bespielen werden. Die Kernkompetenz der Stella ist zum einen der Vertrieb von bespielten Häusern – alles was ich brauche, um an einem Ort ein Theater zu bespielen. Zum anderen hat Stella Musicalkompetenz. Im Moment spielen wir nur stationäres Musical, ich weiß nicht, ob wir nicht auch in den mobilen Bereich vorstoßen. Stella soll 2003 oder 2004 die 500-Millionen-Mark-Grenze beim Umsatz erreichen“.

2002 – Umzugsgerüchte, Insolvenz und die Trennung von der DEAG

Das bislang letzte Lebenszeichen gibt Stella im März 2002 – . 180 Mitarbeiter sollen künftig nicht in Hamburg, sondern in Berlin arbeiten, Schwenkow will den Umzug an die Spree abhängig machen von dem „einen oder anderen Goodie“, wie er sich auf der Bilanzpressekonferenz der AG am 26. März ausdrückte. Goodies, die den Hanseaten schwer im Magen liegen könnten – Schwenkow versteht darunter unter anderem Gehaltszuschüsse für die leitenden Mitarbeiter und weitere Extras in Millionenhöhe.

Die Zukunft

Was aus der Broadway Musical Management GmbH wird und in welchem Umfang Mitarbeiter entlassen werden, ist noch nicht bekannt. Die DEAG will sich nach dem Ende des Musical-Abenteuers verstärkt auf das Kerngeschäft Artists & Tours, Urban Entertainment und den Betrieb von Spielstätten und Varieté-Theatern konzentrieren und geht davon aus, im laufenden Geschäftsjahr ein positives operatives Ergebnis zu erzielen. Für die Holding wurde ein Kostensenkungs- und Restrukturierungsprogramm beschlossen, das kurzfristige Einsparungen und Mittelzuflüsse in Höhe von rund 20 Millionen Euro realisiert. Neben dem Engagement auf dem Musical-Sektor scheiterte in den vergangenen Monaten auch das Streben der DEAG ins Internet: Sowohl das als auch das kamen in finanzielle Engpässe und wurden eingestellt.