Recorded & Publishing

Steinkamp nimmt Kurs auf die Gewinnzone

Maarten Steinkamp, President BMG GSA, blickte auf einem Presselunch am 8. Juli optimistisch in die Zukunft. BMG Deutschland verzeichnet das beste Halbjahresergebnis seit fünf Jahren. Neue Preismodelle, die Bereinigung des Künstlerstamms sowie weniger veröffentlichungen sollen für steigende Profite sorgen.

Die Zahl der Releases will Steinkamp um 60 Prozent reduzieren. Er wies darauf hin, dass im vergangenen Jahr „Deutschland sucht den Superstar“ zwar eine Steigerung des Marktanteils gebracht habe, dass die Profite jedoch aufgrund geringer Margen zu niedrig ausfielen. Auf Basis der Erlöse von 2001 sei der Umsatz im letzten Jahr auf dem deutschsprachigen Markt um rund 15 Prozent gesunken. „Wir müssen Marktanteil abgeben und wieder mehr Gewinn machen“, betonte Steinkamp, der den Profit des vergangenen Jahres verdoppeln will. Im Vergleich zu 2003 hat BMG in Deutschland insgesamt bereits Marktanteil verloren, bei den internationalen Acts jedoch zugelegt. So wuchs der Umsatz mit internationalem Produkt im ersten Halbjahr 2004 um 18 Prozent und damit der Marktanteil in diesem Bereich von zehn auf zwölf Prozent.

Steinkamp will Masse abbauen und sich ganz auf die Qualität des Repertoires konzentrieren: „BMG muss ein globales Unternehmen werden; wir müssen uns auf internationale Superstars konzentrieren, weil wir damit unser Geld machen.“ Dies sei jedoch keine Absage an die nationalen Künstler. So erklärte Steinkamp, er wolle auch zukünftig in nationale Künstler investieren. Auf der Pressekonferenz sagte er, man habe sich von rund 20 Künstlern über einvernehmliche Vertragsauflösungen getrennt. Am Rande der Veranstaltung war jedoch zu hören, dass nur 68 von vorher rund 150 Verträgen mit Künstlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verlängert worden seien. Bestehende Verträge mit Künstlern, bei denen die BMG „kein Weiterentwicklungspotenzial“ mehr sieht, sollen auslaufen. Wer die Betroffenen sind, wollte Steinkamp nicht sagen. Auch wie viele Interpreten nur noch mittelbar über reine Distributionsverträge betreut werden, ist unklar. Beim nationalen Repertoire liegt der Schwerpunkt auf Schlager und Volksmusik. In diesem Bereich soll künftig auch wieder die Traditionsmarke Ariola gestärkt werden. Neben Ariola fungieren dann BMG Ariola Miller, Hansa, Gun und Subword als Dachmarken, unter denen die bisher laut Steinkamp zu breit gestreute Labelkultur gebündelt werden soll.

Das seit Frühjahr 2004 bestehende Drei-Säulen-Modell mit den Standorten München, Berlin und Bochum wird beibehalten. Um das CD-Geschäft anzukurbeln, will Steinkamp neue Vertriebswege ausprobieren: Neben der geplanten Preisdifferenzierung (siehe Umfrage Seite 18) soll ein Club-Modell nach Vorbild des Bertelsmann-Buchclubs aufgebaut werden. Außerdem will BMG, wie in Italien bereits erfolgreich getestet, CDs auch an Kiosken verkaufen. Beim Thema Kopierschutz verlegt sich BMG künftig auf ein kundenfreundlicheres Copy-Management. Man wolle voraussichtlich Ende August in Europa und den USA ein neues System einführen, das die Zahl der Kopien begrenzt. Bringe das jedoch nicht die gewünschten Ergebnisse, werde man ab 2005 komplett auf Kopierschutz verzichten.