Heiko Volkmer, geschäftsführender Gesellschafter Radio-Vision: Die Ausladung von Oomph! vom Echo und von „Top Of The Pops“ ist kein Protestakt klerikaler Fundamentalisten, sondern ein Armutszeugnis medialer Dünnbrettbohrer. Während einige Pfarrer in Süddeutschland die Single mitsamt Video in ihre Kirche bringen, verbannt das Medienestablishment subversive Jugendkultur aus ihren Programmen. Die Entscheidung, Oomph! auszuladen, zeigt einmal mehr, wie eindimensional unsere Medienlandschaft geworden ist. Wir können nur hoffen, dass es bald wieder eine Kulturrevolution wie in den 60er-Jahren oder zur Zeit des Punk in den 70er-Jahren gibt, die diese Langeweiler in die Wüste des Vergessens schickt.
Christoph Kutzer, freier Journalist, Texter und Musiker: Oomph! bekommen Prügel für einen im Grunde ziemlich harmlosen Song, der Grundgedanken, wie sie bereits bei Marx oder „Jesus Christ Superstar“ anklingen, im bandeigenen Stil präsentiert. Ehrlich gesagt bin ich erschüttert, dass eine so gering dosierte Provokation für solchen Wirbel ausreicht. Verträgt Deutschland am Ende wirklich nichts, was mehr Reibung erzeugt als der handelsübliche Konsens-Kuschelrock? Ich fühle mich jedenfalls in meiner Meinung bestärkt, dass Radio und Fernsehen für Menschen, die an Musik jenseits des absoluten Mainstream interessiert sind, zu weiten Teilen verzichtbar sind. Wenn „DSDS“ zum popkulturellen Maßstab wird, dann lasse ich die Flimmerkiste aus, greife ins CD-Regal oder pilgere in die Clubs, um auch weiterhin Bands wie Oomph! zu unterstützen.
Oliver Sitt, Vice President A&R VIP Media Group: Dass die Popmusik, oder genauer ihre Branche, inzwischen keine gesellschaftsverändernde Kraft mehr ist, sondern sich in auffälliger Weise den Marktmechanismen der freien Wirtschaft und ihrer Medien unterworfen hat, ist klar. Deshalb ist sie nicht mehr gesellschaftlich relevant und auch weniger attraktiv. Dass ihre Vertreter konfliktscheuer und angepasster sind, als jeder Verfassungs- oder Verwaltungsrichter, ist neu. Dass sie fundamentale Grundwerte wie Kunst- und Meinungsfreiheit opfert, ist beschämend und unwürdig. Das Grundrecht der Religionsfreiheit schließt ausdrücklich das Recht zur Religionskritik mit ein, solange nicht gezielt religiöse Gefühle Gläubiger verletzt werden. Das ist bei den Mohammed-Karikaturen tatsächlich diskutabel, aber „Gott ist ein Popstar“ dürfte problemlos unter dem Schutz des Grundgesetzes stehen.
Elena Linde, ein Oomph!-Fan: Mit dieser Zensur machen sich alle Radio- und Fernsehmacher unglaubwürdig.
Irene Nickel, Hausfrau und Regionalbeauftragte für Niedersachsen im Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V.: Es steht schlimm um die Meinungsfreiheit, wenn man zu religiösen Themen nicht mehr sagen darf, was man denkt. Leider wird RTL seiner Verantwortung für die Meinungsfreiheit in unserem Lande nicht gerecht.
Jörg Pero: Ich bin ein schwer enttäuschter Oomph!-Fan und finde diese Zensur einfach skandalös.
Christiane Lüß, Direktionsassistentin in einem Hotel: Die Entscheidungen sind für mich nicht nachvollziehbar und ich sehe dadurch das Recht auf Meinungsfreiheit gefährdet.
Silke Rost: Ich halte es für eine Frechheit, dass dieser Song nicht überall gespielt werden darf. Ich frage mich, was der wahre Grund dafür ist.
Peter Steinig, Oomph!-Fan: All das erinnert mich an DDR-Zeiten, wo ein Wolf Biermann mit Auftrittsverbot belegt wurde und Künstler, die zu ihm hielten, zum Verlassen der DDR aufgefordert wurden.
Roswitha Krasniqi, Sachbearbeiterin: Das ist wieder einmal typisch für unsere Gesellschaft: Jeder soll sagen dürfen, was er will. Aber wenn man es dann tut und könnte irgendwo anecken, dann wird man zensiert.
Sussen Stang: Als eingefleischter Oomph!-Fan finde ich das alles völlig bescheuert. Es gibt doch nun wirklich Schlimmeres, z.B. Sido und diese ganzen anderen Rapper. Deren Texte sind doch nun wirklich bedeutend aggressiver und absurder.
Sabrina Höpfner, Riesenfan und Bürokauffrau: Dass die Band Oomph! nicht im Radio oder TV gespielt wird, empfinde ich persönlich als Akt der Zensur.
Arne Kaun: Eine scheinheilige Sauerei.
Nicole Doerk-Ruppik, Hausfrau und zweifache Mutter: Ich persönlich finde es mehr als lächerlich, dass Oomph! eine öffentliche Diskriminierung aufgrund ihres Songs „Gott ist ein Popstar“ in Deutschland erfahren müssen.
Anja Schulte, Oomph!-Fan: Eigentlich hatte ich immer das Gefühl, dass die deutsche Musikbranche im Hinblick auf Texte sehr tolerant ist, oder vielleicht war?






