Recorded & Publishing

Statements von Holger Stratmann

Die 200. Ausgabe des Magazins „Rock Hard“ war mit 43.000 verkauften Einheiten die bislang erfolgreichste. Im Gespräch mit musikwoche äußert sich der „Rock Hard“-Verleger Holger Stratmann über die Verbindung des Print-Marktes mit den Entwicklungen in der Musikindustrie.

über die Gründe des jüngsten Relaunch von „Rock Hard“: „Wir hatten die Nummer 200 und unser 20-jähriges Jubiläum gerade hinter uns gelassen und wollten nach diversen kleineren Änderungen im Layout wieder einen radikalen Einschnitt vornehmen. Dazu gehörte die neue Klebebindung sowie verbesserte Druck- und Papierqualität, aber auch die neue Aufteilung. So können wir den Plattenfirmen mehr Short-Stories anbieten, haben kurzweilige Rubriken eingeführt und Musik-DVDs sowie Backkatalog mehr Platz eingeräumt. Gewichtige bzw. kontroverse Platten werden schon einmal von zehn Redakteuren besprochen, das ‚Album des Monats‘ bekommt eine Seite. Dadurch können wir bestimmte Themen besser fokussieren.“

„Jeder Redakteur hat zudem eine eigene Ecke, in der ganz frei seine Themen unterbringen kann. So finden beispielsweise Genesis,Tori Amos oder Bands, für die es keinen redaktionellen Konsens gibt, ins Heft.“

über neue Vertriebsformen: „Auch im Bereich Vertrieb geht Rock Hard mit der Zeit. Wir bieten die Möglichkeit eines Online-Abos für all diejenigen, die die Infos auf dem schnellsten Wege bekommen wollen oder Print-Magazine für antiquiert halten.“

über den Anspruch von „Rock Hard“: „Rock Hard hat sich immer als Hardrock-Zeitschrift mit einem gewissen Niveau verstanden. Das wollen wir nun visualisieren. Wir wollten ganz bewusst auch im Vergleich mit unseren Mitbewerbern etwas edler daherkommen. Und unsere Resonanz auf den Wechsel zeigt, dass uns das anscheinend gelungen ist.“

„Entgegen den Klischees sind unsere Leser sehr kritisch und konsumieren nicht alles, was ihnen vorgesetzt wird.“

„Wir reglementieren uns nicht so stark wie andere und definieren Hardrock recht weit gefasst, auch wenn wir natürlich reinen Mainstream außen vor lassen. Aber wenn eine Band wie The Darkness dann auch kommerziell erfolgreich wird, freut uns das natürlich. Wichtiger als der Stil ist oft die Attitüde, weshalb wir auch schon finnische Schlagersänger im Heft hatten.“

über den Print-Markt: „Da der Zeitschriftenmarkt grundsätzlich schrumpft und auch die Musikindustrie schwächelt, ist für uns wie auch unsere Mitbewerber die Lage durchaus schwieriger geworden. Aber ich werte es als Erfolg, dass wir den Abstand zu Musikmagazinen wie „Musikexpress“, „Rolling Stone“ oder „Hammer“, die sich früher alle in Auflagenhöhen weit über 100.000 bewegt haben, bis auf ein paar Hundert Exemplare verkürzt haben. Rock Hard gehört zu den Top 5 der bundesdeutschen Musikzeitschriften. Auf der anderen Seite muss man sehen, dass die Kids heute weniger Geld haben und Zeitschriften wie unsere durch mehrere Hände gehen. Die Jubiläumsausgabe hatte mit 46.000 verkauften Exemplaren die größte Auflagenhöhe seit drei Jahren. Das heißt, dass unsere Leser noch immer da draußen sind, aber längst nicht bei jeder Ausgabe zuschlagen. Dabei ist das Potenzial der Fans, die sich für Hardrock und Heavy Metal interessieren, so groß wie schon lange nicht mehr. Bei den Festivals etwa sieht man wieder verstärkt ganz junge Kids. Das liegt nicht zuletzt daran, dass diese Leute sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer stärker von Kommerz und Konsum abgrenzen wollen.“

über das Rock Hard Festival: „Nach dem Jubiläumsfestival im vergangenen Jahr wollen wir auch dieses Jahr zu Pfingsten wieder ein besonderes Rock-Hard-Festival auf die Beine stellen. Durch die Begrenzung der Zuschauerzahl, die idyllische Location im Amphitheater Gelsenkirchen und eine faire Preisgestaltung haben wir ein Festival erschaffen, das in diesem Genre sicherlich zu den schönsten in Europa zählt. Zu den Top-Acts der diesjährigen Veranstaltung gehören In Extremo, Machine Head, Stratovarius und Gamma Ray.“

„Die Krise der Musikindustrie trifft das Hard- & Heavy-Segment nicht ganz so stark. Denn in Firmen wie Roadrunner, SPV, Century Media oder Nuclear arbeiten Leute, die ihr Ohr näher an der Szene haben als die großen Konzerne und auch wissen, wie man die Produkte richtig präsentiert und vermarktet. Die Indies können nur gewinnen, wenn sich die Majors zunehmend vom Metal-Markt zurückziehen. Und von starken Indies profitieren letztlich auch wir als Medien.“