Recorded & Publishing

Spotify gewinnt Merlin-Indies für KI-Remixe

Fast zehn Wochen sind bereits vergangen, seit Spotify die Einführung eines neuen Features ankündigte, mit dessen Hilfe Fans künftig selbst KI-Remixe von Lieblingssongs erstellen können. Universal Music war als erster Lizenzpartner mit dabei. Den zweiten Abschluss macht der Streamingdienst nun aber nicht mit einem der anderen Musikkonzerne, vielmehr kommen die Indies mit an Bord.

Am 4. August 2026 und beinahe parallel zur Bekanntgabe der aktuellen Zwischenbilanz bestätigte Spotify einen Vertragsabschluss mit Merlin, der Lizenzplattform der unabhängigen Musikunternehmen: Man habe einen neuen Deal für das kommende Spotify-Tool zur Erstellung von Fan-Covern und Remixen geschlossen, meldete der Streamingsdienst über seine Kanäle. 

Die Vereinbarung soll es Künstler:innen und Acts, deren Labelpartner unter das Spotify-Abkommen von Merlin fallen, ermöglichen, an diesem Angebot teilzunehmen. Spotify bestätigte zudem, dass Tool als kostenpflichtige Zusatzfunktion einführen zu wollen. So würde „eine zusätzliche Einnahmequelle“ für Artists und Rechteinhaber entstehen. 

Ein Verweis auf den früheren Abschluss mit der Universal Music Group fand sich in der Merlin-Mitteilung übrigens nicht, und das Stichwort „KI“ blieb ausgespart, auch in den begleitenden Kommentaren.

„Diese Vereinbarung mit Merlin stellt sicher, dass teilnehmende Künstler genannt und vergütet werden und dass jede neue Kreation die Hörer zum Originalwerk zurückführt“, erklärte Charlie Hellman, der bei Spotify als Global Head of Music fungiert. Man sei stolz darauf, „dieses Modell auf die Independent-Szene auszuweiten“ und freue sich darauf, „im weiteren Verlauf der Entwicklung noch mehr Partner begrüßen zu dürfen“. Merlin-CEO Charlie Lexton verwies derweil darauf, dass es eben genau die Aufgabe von Merlin sei, den Mitgliedern der Plattform „die Wahl zu lassen, ihre Musik im Rahmen dieser spannenden Technologie verfügbar zu machen“ und ihnen zugleich „die Chance auf eine zusätzliche Einnahmequelle zu bieten“. Lexton ergänzte: „Spotifys Respekt gegenüber den Rechten unserer Mitglieder und deren Künstler:innen ist vorbildlich; daher fiel uns die Entscheidung, an diesem Projekt mitzuwirken, sehr leicht.“

Im Mai hatten zunächst Spotify und die Universal Music Group eine entsprechende Lizenzvereinbarung für das Tool gemeldet, das für die Künstler:innen eine Opt-in-Regelung vorsieht.

Da ein Remix-Feature im komplexen Musikgeschäft zahlreiche Fragen aufwirft, erläuterte Holger Christoph, Senior Vice President Digital Business Universal Music Central Europe, das Projekt wenig später im Gespräch mit MusikWoche: „Die Akzeptanz solcher Modelle wird davon abhängen, dass Zustimmung, Transparenz, Vergütung und Kontrolle gewährleistet sind“, sagte Holger Christoph dabei unter anderem. „Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, dann sehe ich Potenzial für eine neue und langfristig tragfähige Form der Wertschöpfung.“