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SpiralFrog sorgt für Schlagzeilen

Die geplante werbefinanzierte Downloadplattform SpiralFrog sorgt bereits Monate vor dem Start für ein ansehnliches Rauschen im Blätterwald. Während einige Medien den Lizenzgebern Mut zur Kostenlosigkeit attestieren, warnen andere vor der beschleunigten Entwertung von Musik.

Die geplante werbefinanzierte Downloadplattform SpiralFrog sorgt bereits Monate vor dem Start für ein ansehnliches Rauschen im Blätterwald. Während einige Medien den Lizenzgebern Mut zur Kostenlosigkeit attestieren, warnen andere vor der beschleunigten Entwertung von Musik.

Vor allem Branchenprimus Universal Music erkenne nun, dass Musik zum Nulltarif, wie ihn die Netzgemeinde seit beinahe einem Jahrzehnt gewohnt sei, nicht schlecht sein muss, so die „Los Angeles Times“ auf ihrer Seite eins. Die Labels beugten sich nun eben dem Willen der User. Im selben Artikel wird Larry Kenswil, als President Universal eLabs der ranghöchste Manager für das Digitalgeschäft beim Major, sogar noch deutlicher. Seine Ansicht: „Wenn jemand eine Mio. CDs von uns kaufen möchte, um diese danach an der nächsten Straßenecke zu verschenken, soll mir das recht sein – solange wir dafür bezahlt werden.“

Für viele in der Branche klingt dies jedoch nach schamlosem Ausverkauf. Vor allem die Forderung nach flexibleren und höheren Preisen für Downloads im iTunes Music Store auf der einen und das gleichzeitige Bekenntnis zum kostenlosen Vertrieb auf der anderen Seite sei nicht nachvollziehbar, findet Amerikas Branchenkritiker Nummer eins, Bob Lefsetz. Wer als Wirtschaftszweig ständig mit Imageproblemen zu kämpfen habe, erhöhe keinesfalls dadurch seine Glaubwürdigkeit, wenn er sich auf der Suche nach dem verlorenen Konsumenten willenlos vor die Interessen eines jeden x-beliebigen Werbekunden spannen lässt.

Auch Künstlermanager sehen mit dem SpiralFrog-Konzept Probleme auf sich zukommen: Nicht jeder Musiker möchte seine Arbeit mit Werbung kombinieren lassen. Doors-Manager Jeff Jampol sagte der „L.A. Times“, er hätte „größte Bedenken“. Er könne sich kaum vorstellen, dass man Menschen, die einen Song der Doors herunterladen wollen, z.B. einen Spot von McDonald’s oder der US-Armee vorspielt. Pragmatischer geht der Kommentator der „Financial Times“ an die Sache heran: Sollten Plattformen wie SpiralFrog Erfolg haben, würde sich die Zahl derer, die für Musik Geld ausgeben wollen, weiter reduzieren.

Unterdessen kamen weitere Details des geplanten Konzepts ans Licht: Nutzer von SpiralFrog werden vor dem Download eines jeden einzelnen Titels einen 90-sekündigen Werbespot erdulden müssen. Außerdem haben die Downloads eine begrenzte Haltbarkeit: Wer nicht mindestens einmal pro Monat zur SpiralFrog-Website zurückkehrt, dessen Songs werden vom Windows-DRM gesperrt – das gleiche DRM, das auch die Nutzung auf iPods unmöglich macht.

Die maximale Nutzungsdauer eines Tracks soll angeblich bei sechs Monaten liegen. Auch das Brennen der Titel auf CD soll nicht gestattet sein. Damit ähnle SpiralFrog in gewisser Weise dem Geschäftsmodell Privatradio, findet Bob Lefsetz. Und das sei speziell bei der anvisierten jugendlichen Zielgruppe immer weniger gefragt.

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