Recorded & Publishing

SoundExchange gerät unter Rechtfertigungsdruck

Die US-Urheberrechtsgesellschaft SoundExchange sieht sich derzeit herber Kritik ausgesetzt. Weil es der Society nicht gelingt, zum Teil sehr bekannte Tantiemenempfänger ausfindig zu machen, wird ihre Arbeitsweise in Frage gestellt.

Die US-Urheberrechtsgesellschaft SoundExchange sieht sich derzeit herber Kritik ausgesetzt. Weil es der Society offenbar nicht gelingt, zum Teil sehr bekannte Tantiemenempfänger ausfindig zu machen, wird ihre Arbeitsweise in Frage gestellt. Die Verwertungsgesellschaft, die vor allem Tantiemen für Aufführungsrechte im digitalen Übertragungsbereich eintreibt, sucht derzeit 9000 Künstler und 2000 Independentlabels, die noch bis zum 15. Dezember Zeit haben, ihre Tantiemen zu beanspruchen.

Es geht um Gelder, die von 1996 bis einschließlich 31. März 2000 von Webcastern, Satellitenradios und anderen digitalen Musikdiensten eingetrieben wurden. Sollten sich die rechtmäßigen Empfänger für diese Gelder nicht fristgerecht melden, wird SoundExchange die Tantiemen in den laufenden Betrieb reinvestieren. Die Tatsache, dass die Tantiemeneintreiber bei ihrer Suche nach den rechtmäßigen Empfängern der Vergütungen Probleme haben, an so namhafte Künstler wie Mos Def, Three 6 Mafia, die Olsen Twins, den Mormon Tabernacle Choir, T-Bone Burnett oder Peter, Paul & Mary heranzukommen, ist für manche Beobachter ein Zeichen von Unvermögen. „Das zeigt doch recht gut, wie gut die ihr Geschäft verstehen – nämlich nicht so besonders“, sagte Künstleranwalt Fred Wilhelms der „Los Angeles Times“. Und in einschlägigen Onlineforen muss sich SoundExchange noch deutlicheren Spott gefallen lassen.

Doch Executive Director John Simson verteidigt sein Team: „Es gibt bestimmt eine Menge Musiker, die sich wahrscheinlich allein durchs Googlen ausfindig machen lassen. Und vermutlich haben wir sie auch längst gefunden und ihnen mehrmals unsere Unterlagen zugeschickt. Doch von vielen haben wir noch immer keine Antwort.“ Gerade für die erfolgreicheren Künstler scheint eine junge Verwertungsgesellschaft wie SoundExchange keine hohe Priorität zu genießen. Das mag unter anderem an den auszuschüttenden Beträgen liegen. Auf zwei Drittel der gesuchten Urheber wartet ein Scheck in Höhe von maximal 50 Dollar. Nicht einmal 75 Künstler können auf einen Betrag von über 500 Dollar hoffen. Insgesamt hat SoundExchange im betreffenden Verwertungszeitraum nur 500.000 Dollar an Tantiemen eingenommen – schließlich steckten die meisten der ausgewerteten Nutzungsformen vor der Jahrtausendwende noch in den Kinderschuhen.

Doch schon allein in diesem Jahr rechnet Simson mit Einnahmen von mehr als 40 Millionen Dollar. Spätestens bei solchen Summen würden sich die Urheber melden. Doch bei der Firma Royalty Logic pocht man auf Mitsprache. Das Unternehmen würde gerne in Konkurrenz zu SoundExchange treten, doch bislang hat das zuständige staatliche Copyright Office nur einen Auftrag zur Rechtewahrnehmung erteilt. „Die Mitbewerber wären natürlich scharf auf dieses Geschäft“, so Kenneth Freundlich von Royalty Logic. „Die würden jeden Stein umdrehen, um diese Urheber zu finden.“

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