Im achten Stock des Sony-Centers am Potsdamer Platz arbeiten die 14 Mitarbeiter von Sony/ATV zwar auf der gleichen Etage wie das Berliner Team von Sony BMG, aber dennoch unabhängig von der Plattenfirma: „Wir berichten nicht mehr an Sony BMG, sondern direkt an die Sony Corporation of America“, freut sich der gelernte Jurist Strauch über die neu gewonnene Autonomie. So bliebe mehr Zeit für die eigentliche Verlagsarbeit. Mit dem zuletzt für Universal Music tätigen A&R-Manager Axel Erler holt Strauch zum 1. August einen neuen Leiter für die Kreativabteilung an Bord.
Als A&R Director übernimmt Erler die Leitung des Bereichs und wird von A&R-Manager Andreas Weitkämper unterstützt, der The Rasmus für die Firma unter Vertrag nahm. Dritter Mann im Kreativteam ist Patrick Jöst, der vor einem Jahr zum Unternehmen stieß: „Mit ihm als Synch Manager haben wir einen Mann, der sich um die so genannten Nebenrechte kümmert, die aber bereits zehn Prozent zum Gesamtumsatz beitragen und immer wichtiger werden“, erklärt Strauch.
Zu diesem Bereich gehören Klingeltöne sowie Musik für Werbung und Filme. Nach der Werbebranche, die rund die Hälfte zum Umsatz beiträgt, sorgen die Klingeltöne mit einem Erlös „im hohen sechsstelligen Bereich“ bereits für ein Drittel der Umsätze in diesem Segment. „Wir sind viel aktiver geworden und sprechen Filmemacher oder Klingeltonanbieter direkt an. Nur am Telefon zu sitzen und zu warten, dass etwas passiert, ist zu wenig“, betont der 36-Jährige.
Auf Autorenseite stieß zuletzt Sandra Nasic von den Guano Apes zum Stamm von Sony/ATV, deren Solokarriere nun vorangetrieben werden soll. Strauch sieht die Verlage für die Zukunft des Musikgeschäfts gerüstet: „Wenn in zehn Jahren der Onlinevertrieb funktioniert, muss man sich fragen, welche Aufgaben die Plattenfirmen noch haben werden: Es bleibt nur der Marketingbereich übrig, und das ist vor allem eine Geldfrage.“ Die Verlage würden dagegen „zunehmend die Aufgaben von Plattenfirmen übernehmen“.







