Die von der EU-Kommission vorangetriebene Liberalisierung des paneuropäischen Lizenzsystems für Online-Musik löst bei den Kreativen Besorgnis aus. Eine Songwriter-Delegation warnte jüngst EU-Kommissar Charlie McCreevy vor einer drohenden Verödung des europäischen Kulturbetriebs. Die sechs Songwriter und Komponisten äußerten bei dem Treffen am 21. Februar ihre Befürchtungen, das neue Lizenzsystem könnte die Stellung der Verwertungsgesellschaften und der Kreativen gegenüber einer immer mächtigeren Musikindustrie nachhaltig schwächen und drastische politische und wirtschaftliche Auswirkungen auf das europäische Kulturschaffen haben.
Der norwegische Komponist Bendik Hofseth erklärte, der Plan der EU-Kommission werde überwiegend negative Konsquenzen für einen Großteil der europäischen Musikschaffenden und Nischenmärkte haben. Die zu erwartende Wettbewerbssituation der europäischen Verwertungsgesellschaften werde der Öffentlichkeit keine Vorteile bringen, vielmehr berge sie die Gefahr, die lokalen Musikmärkte nachhaltig zu schädigen. Der irische Songwriter Mike Hanrahan befürchtet, der EU-Plan werde zu einer Verdichtung auf zwei oder drei große Verwertungsgesllschaften führen, die den Markt dann beherrschen. „Die Autoren wären gezwungen, ihre Online-Rechte an Gesellschaften abzugeben, die sich fern von ihrem Heimatland befinden und hätten damit weniger Kontrolle darüber, wie ihre Werke verwendet werden“, erläuterte Hanrahan.
EU-Kommissar McCreevy zeigte Verständnis für die Sorgen der Kreativen und wies darauf hin, dass es ohne die Autoren keine Entertainment Industrie gäbe. Die Kommission sei bestrebt, weiterhin einen demokratischen Dialog über das künftige Online-Lizenzmodell zu führen, an dem jetzt endlich auch die Kreativen beteiligt seien.






