Siegeszug des neuen Formats hat begonnen
Nach bescheidenen Anfängen mausert sich die Musik-DVD zu einem wahren Umsatzbringer. Nach dem Erfolg der DVD von Herbert Grönemeyer gelang in diesem Jahr gleich mehreren Titeln, mehr als 50.000 Einheiten zu verkaufen. Dieses Wachstumspotenzial beschäftigte die Branche auf dem Seminar „DVD Entertainment 2001“. „Wir bei BMG nehmen die DVD sehr ernst“, stellte Joe Hugger, Leiter der DVD-Abteilung innerhalb der BMG Ariola Media, auf dem vom Entertainment Media Verlag und Media Business Academy organisierten Seminar in München fest. Er kündigte an, die DVD zunächst „additiv, dann substituiv“ zur CD aufzubauen. Gemeinsam mit den anderen Major-Firmen werde BMG im neuen Jahr eine übergreifende Marketing-Kampagne starten, um die Verbraucher noch stärker für das Thema Musik-DVDs zu sensibilisieren. Die bei den einzelnen Firmen dafür erforderliche personelle Struktur formierte sich ebenfalls. Für die EMI Electrola zeichnet Dr. Carl Mahlmann, bei Sony Music Ralf Schalck und seit kurzem Til Egelhof bei Universal Music für Musik-DVDs verantwortlich. Die gestiegene Bedeutung dieses Formats manifestiert sich auch in der Marktlage: Im Jahr 2000 lag der Anteil von Musik-DVD am DVD-Markt Schätzungen der Marktforschung zufolge bei sieben Prozent, 2001 beläuft er sich auf neun Prozent, die Umsätze kletterten von wenigen hundertausend Mark 1998 auf knapp zehn Millionen in diesem Jahr. Daran hatten Top-Titel wie „En Misión Del Senor – Live In Buenos Aires“ von den Toten Hosen (JKP/Mawa/VCL) und „Heute vor Dreissig Jahren – Live“ von Peter Maffay beträchtlichen Anteil. Insgesamt verbesserte sich die Qualität der Musik-DVDs, die nun in den meisten Fällen zahlreiche Bonusfeatures anbieten und sich nicht mehr – wie in den Anfangstagen öfter geschehen – darauf beschränken, bereits auf VHS-Video veröffentlichte Titel unverändert nun auf DVD noch einmal auf den Markt zu bringen. Dagegen setzten sich beispielsweise die Titel aus der von Eagle Vision/edel vertriebenen Reihe „Classic Albums“ wohltuend ab. Und auch von so unterschiedlichen Künstlern wie DJ Tomekk, Udo Jürgens, Faithless, Die Prinzen (alle: BMG), Michelle, Pur, Robbie Williams (alle: EMI), AC/DC, Madonna, Frank Sinatra, Kylie Minogue (alle: Warner Music Vision), Schiller, André Rieu, U2 (alle: Universal), Bruce Springsteen, Manic Street Preachers (alle: Sony Music), Massive Attack, Smashing Pumpkins (beide: Virgin), Motörhead (SPV), Curtis Mayfield (in-akustik), Moby (Mute) und The Cult (Beggars Group) stellten die Firmen hochwertiges Material in die Regale. Für das nächste Jahr rechnen Branchenkenner zudem mit einem Bedeutungsanstieg der Audio-DVD, die bislang noch keine große Rolle im DVD-Markt spielt. Schon im vierten Quartal konnte indes die DVD plus stark zulegen. Neben der DVD von den Toten Hosen nutzten zuletzt auch die Produkte von Motörhead und Pur diese Technologie, die wegen der doppelseitig bespielten Disc auch für Besitzer von CD-Playern interessant ist.





