“Das Interesse an Vinyl ist meiner Einschätzung nach ungebrochen hoch“, erklärt Michael Schuster, Geschäftsführer von Cargo Records Germany, einem der größten Vertriebe für Vinyl-Schallplatten in Deutschland, „auch wenn der Markt sich in einem kompletten Umbruch befindet.“ Dass er mit seiner Einschätzung nicht alleine steht, zeigt auch das Statement von Sandra Fritzsch, Commercial & Administration Director MPO Audio und Video: „Der Vinyl-Bereich erweist sich tatsächlich als krisenresistent im Vergleich mit beispielsweise den Audio-CDs. Das heißt nicht, dass er immun gegen diese Entwicklung ist. Die Symptome zeigen sich nur schwächer.“
Dies sei jedoch gerade für Presswerke wie MPO von großem Vorteil. Denn nur wenige Vervielfältiger hätten dem Traditionsmedium Vinyl Treue gezeigt. „Umso mehr profitieren diese Wenigen nun allerdings von den Abwehrkräften eines Nischenproduktes gegenüber negativen Marktentwicklungen“, sagt Sandra Fritzsch. Von einer eingetrübten Stimmung im diesem Segment will auch Grit Schaade, Leitung Marketing und Vertrieb optimal media production, nichts wissen: „Von einer Krise im Vinyl-Geschäft würde ich nicht sprechen. Denn Vinyl ist und bleibt ein Liebhaberthema. Zwar ist die durchschnittliche Auflagenhöhe bei Vinyl-Editionen und auch im Maxi-Bereich im DJ-Segment zuletzt gesunken. Aber wir haben darauf reagiert und verstärkt auf die Akquise bei Indie-Firmen gesetzt.“ Die offizielle Statistik des Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft weist für 2003 im Vinyl-Longplay-Bereich eine Million verkaufter Schallplatten aus. Im Single-Segment sind es 600.000 Exemplare.
Für Holger Neumann, Junior-Chef der Pallas GmbH, geben diese Zahlen indes nur die halbe Wahrheit wieder. „Die meisten der speziell für den Verkauf auf Konzerten gefertigten Vinyl-Platten tauchen in den offiziellen Statistiken des Bundesverbandes gar nicht auf“, so Neumann. „Die dort publizierten Zahlen sind deshalb mit Vorsicht zu genießen, was den Vinyl-Anteil angeht. Auch Platten, die über Mailorder vertrieben werden, kommen in der Statistik gar nicht vor.“ Eine Absatzsteigerung erwartet allerdings für die Zukunft so gut wie keiner der Marktteilnehmer mehr. „Der Vinyl-Markt wird mittel- und langfristig keine großen Zuwächse mehr erleben“, darüber ist sich Grit Schaade im Klaren. „Uns geht es darum, das Potenzial in dem Bereich auszuschöpfen. Deswegen werden wir in Zukunft noch größere Anstrengungen unternehmen, um dieses Niveau zu halten.“ Der Handel reagiert auf die überraschende Rückkehr der Vinyl-Platte positiv, wie Holger Neumann festgestellt hat: „Heute werden wieder Verkaufsflächen für Vinyl aufgebaut, selbst bei den großen Handelsketten, wenn auch nicht mehr im gleichen Umfang wie früher.“ Mit Nostalgie hat die Renaissance der schwarzen Scheiben jedenfalls nichts zu tun.






