Die geplante Kooperation von Sony BMG mit Grokster ist kein Gerücht mehr. Rolf Schmidt-Holtz bestätigte, dass sein Unternehmen mit der P2P-Firma verhandelt. Der Chairman von Sony BMG sagte am Rande der Vorstellung der Studie „Deutschland Online 2“ in Berlin, dass das P2P-Phänomen zu groß sei, um es zu ignorieren. Deshalb wolle Sony BMG Grokster dabei helfen, ein legales Angebot zu erstellen. Die Verhandlungen befänden sich noch im Anfangsstadium.
„Wir stellen fest, dass es eine unheimlich große Nachfrage nach solchen Diensten gibt. Wir beabsichtigen, diese Nachfrage in legale Kanäle zu leiten. Nur dann macht es Sinn für uns“, so Schmidt-Holtz. Über den Status der Verhandlungen und die Initiatoren innerhalb von Sony BMG gab er keine Auskünfte. „Ich verhandle das nicht selbst, sondern einige unserer Mitarbeiter.“
Jüngste Gerüchte über eine Kooperation der Tonträgerindustrie mit P2P-Systemen tauchten vor rund zwei Wochen auf. Inzwischen gilt auch Universal Music als möglicher P2P-Partner. Unklar ist bislang allerdings, inwieweit die Firmen Snocap und Mashboxx in die Gespräche mit Grokster und Sony BMG involviert sind. Snocap ist das neue Unternehmen von Napster-Erfinder Shawn Fanning, das seit rund einem Jahr an einem P2P-Filter für lizenzierte Inhalte arbeitet und seine Errungenschaften voraussichtlich im Dezember vorstellen will. Im Januar soll dann auf Basis der Snocap-Software der legale Filesharing-Dienst Mashboxx.com starten. Angeblich mit 150.000 Titeln von Universal. US-Berichten zufolge wird dann auch Sony BMG Repertoire liefern.
Ob Grokster gemeinsame Sache mit Snocap/Mashboxx macht, bleibt abzuwarten. Dem Vernehmen nach steckt hinter Mashboxx mit Wayne Rosso der einstige Chef von Grokster – ein ausgewiesener Kritiker der Musikindustrie. Insofern lässt sich nur schwer feststellen, wer nun „Freund“ oder „Feind“ der Branche ist, oder wie Rolf Schmidt-Holtz sagte: „Die Musikindustrie hat lange Zeit versäumt, ihre Rolle zu definieren.“






