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Schicksal von Tower liegt in den Händen der Banken

Die renommierte US-Fachhandelskette Tower Records wird vermutlich noch im August Insolvenz anmelden müssen. Weil alle bisherigen Pläne zum Verkauf des Traditionshändlers scheiterten, droht Tower nun die Auflösung.

Die renommierte US-Fachhandelskette Tower Records wird vermutlich noch im August Insolvenz anmelden und Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen müssen. Weil alle bisherigen Pläne zum Verkauf des Traditionshändlers scheiterten, droht Tower nun womöglich die Auflösung.

Expertenschätzungen zufolge schuldet Tower seinen Gläubigern – den Vertrieben der Plattenfirmen – rund 90 Mio. Dollar. Seit Anfang August kann das Unternehmen die Rechnungen seiner Lieferanten nicht mehr bezahlen. Die Inhaber der Kette mit 89 Filialen in den USA und 144 internationalen Lizenznehmern der Marke Tower streben aufgrund der angespannten finanziellen Lage seit Februar einen Verkauf an, doch bislang hat noch kein Interessent angebissen.

Angeblich sollen seither zwei potenzielle Käufer schriftliche Absichtserklärungen zur Übernahme von Tower abgegeben haben, doch passiert ist nichts. Einer dieser Interessenten soll Private-Equity-Investor HM Capital gewesen sein, der andere Bieter ist nicht bekannt. Spekulationen, wonach Trans World Entertainment seine Fühler nach Tower ausgestreckt hat, haben sich unterdessen nicht bewahrheitet. TWE werde vielmehr versuchen, nach einer Tower-Insolvenz günstig an die Konkursmasse zu kommen, hieß es.

Beobachter fürchten, dass ein Verkauf der Kette ohnehin äußerst schwierig sein dürfte. Die Inhaber wollen angeblich angesichts der drückenden Schuldenlast mehr Geld, als die ohnehin nicht gerade zahlreich vorhandenen Interessenten ausgeben wollen. Einer der beiden potenziellen Käufer soll bereits vor Wochen nach Prüfung der Bücher schnell das Weite gesucht haben: Tower war schon damals an der Grenze zur Zahlungsunfähigkeit.

Nun warten die Plattenfirmen nach Informationen des „Billboard“ darauf, wie sich der Hauptgläubiger von Tower, die Bank CIT Group, verhalten wird. Sollte CIT die Geduld verlieren und die Tageseinnahmen pfänden, könnten auch die Labels nichts mehr an der Abwicklung von Tower ändern.

Obwohl auch bei den Vertrieben die offenen Tower-Rechnungen für Belastungen sorgen, ist den Tonträgerfirmen dennoch am Erhalt der Fachkette gelegen. „Können Sie sich vorstellen, was das für ein Schlag für die ganze Branche wäre, wenn bei Tower Records auf dem Sunset Boulevard die Türen vernagelt werden?“, sagte ein ungenannter Major-Vertriebschef gegenüber dem „Billboard“.

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