Zwei prominente Außenseiter der digitalen Medienwelt machen inzwischen gemeinsame Sache: Michael Robertson, einst Gründer von MP3.com und nun Inhaber des Indie-Downloadshops MP3tunes.com, hat den als „DVD Jon“ bekannten norwegischen Programmierer Jon Lech Johansen eingestellt. Das Ziel der beiden ist noch unklar. Johansen arbeitet derzeit im Entwicklerteam von MP3tunes an einem Projekt mit dem Decknamen Oboe. Was sich dahinter verbirgt, lässt das Unternehmen noch im Verborgenen. Nur so viel ist bekannt: Es soll sich um offene Systeme handeln.
In dieser Hinsicht sind Robertson und Johansen bereits seit Jahren Weggefährten. Der inzwischen 21-jährige Norweger veröffentlichte 1999 den Programmcode DeCSS im Internet, der es DVD-Nutzern ermöglichte, ihre Filme unter Umgehung des Kopierschutzes auch am Computer anzuschauen und auch auf Festplatte zu speichern. Die Rechteinhaber zerrten Johansen deshalb zweimal vor Gericht, erhielten jedoch nicht Recht. In diesem Jahr veröffentlichte Johansen zusammen mit anderen jugendlichen Programmierern die Software PyMusique, die das DRM-System des iTunes Music Store außer Gefecht setzte.
Robertson indes läutete mit MP3.com Mitte der 90er-Jahre als einer der ersten das digitale Zeitalter im Musikvertrieb ein und verkaufte das Unternehmen später an Vivendi Universal. Neben unternehmerischen Aktivitäten im Bereich Linux-Vermarktung und Internettelefonie eröffnete Robertson Anfang des Jahres seinen Downloadshop, der ausschließlich Songs im ungeschützten MP3-Format anbietet.





