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RIAA startet fragwürdige Offensive gegen Studenten

Die verschärfte Gangart des US-Tonträgerverbands RIAA gegen mutmaßliche Filesharer an Universitäten kommt bei vielen Bildungseinrichtungen nicht besonders gut an. Kritiker fürchten, dass die Plattenfirmen Studenten zu vorschnellen Schuldbekenntnissen drängen.

Die verschärfte Gangart des US-Tonträgerverbands RIAA gegen mutmaßliche Filesharer an Universitäten kommt bei vielen Bildungseinrichtungen nicht besonders gut an. Kritiker fürchten, dass die Plattenfirmen Studenten mit ihren traditionell dünnen Budgets zu vorschnellen Schuldbekenntnissen und teuren Schlichtungen drängen.

Weil die RIAA in Studenten die eifrigsten Nutzer von illegalen Downloadangeboten sieht, sollen nun verstärkt juristische Exempel statuiert werden. Um der Campuspiraterie Einhalt zu gebieten, will die RIAA in den kommenden drei Monaten genauso viele Studenten abmahnen wie in den letzten drei Jahren zusammengenommen. An bis zu 20 Universitäten hatte der Verband in den letzten Tagen gut 400 Briefe mit Beschwerden über die dort Studierenden verschickt.

Da die Schulen in der Regel ihre eigenen Netzwerke betreiben und deshalb als ISP gelten, erwartet die RIAA, dass binnen 20 Tagen die Realdaten der Verdächtigten übermittelt werden. Diese können sich dann mit den Klägern gütlich einigen, bevor die RIAA den Rechtsweg beschreitet und formal Klage einreicht.

Weil sich die Plattenfirmen aber offenbar darüber im Klaren sind, dass diese Strategie mit schlechter PR einhergeht, will man den Studenten das Leben etwas leichter machen. Auf der Website P2Plawsuits.com können die mutmaßlichen Filesharer ihren Ablass bequem per Kreditkarte begleichen. Diese Vergleichszahlungen lägen erheblich niedriger als die Strafen, die im Falle eines Prozesses drohten, verspricht die RIAA.

Bei diesem Vorgehen hofft der Verband darauf, dass die Netzwerkadministratoren der Universitäten zügig auf seine Forderungen eingehen und die studentischen P2P-Sünder identifizieren. Schließlich erspare ein frühzeitiger Vergleich einen Eintrag ins Vorstrafenregister. „Uns wäre es zwar lieber, wenn es ohne Klagen ginge, doch Fakt bleibt, dass die Piraterie im Collegebereich weiter grassiert“, erklärte RIAA-Chairman Mitch Bainwol.

Laut der Marktforschungsfirma NPD Group stieg die Zahl der über Campusnetzwerke getauschten Songs im Jahr 2006 um 55 Prozent. Die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen sei demnach für 39 Prozent des gesamten Filesharingaufkommens verantwortlich.

Doch nicht alle Universitäten wollen sich und ihre Schüler leicht an den Pranger stellen lassen. Die Ohio University z. B – laut RIAA im letzten Jahr die Schule mit der höchsten Filesharerquote – wird auf die Abmahnungen erst dann reagieren, wenn es einen richterlichen Beschluss zur Herausgabe der Realdaten gibt. Und die University of North Dakota hat die Beschwerden der RIAA umgehend zurückgeschickt.

Man habe die Identitäten der vermeintlichen Missetäter nicht ermitteln können, weil die betreffenden Fälle schon Monate zurückliegen und die UND seine Verbindungsdaten nach 30 Tagen löscht. Daher bietet die RIAA ihre „Discountstrafen“ nun nur noch Universitäten an, die ihre Logfiles mindestens 180 Tage lang aufbewahren.

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