Knapp ein Jahr nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA gegen Grokster und StreamCast sieht sich der Tonträgerverband RIAA auf dem richtigen Weg. CEO Mitch Bainwol spricht im Zusammenhang mit P2P-Filesharing bereits von einer „Eindämmung“, doch die empirischen Daten sprechen gegen diese Behauptung.
Der „USA Today“, Amerikas auflagenstärkster Tageszeitung, sagte Bainwol: „Das Problem ist noch nicht beseitigt. Aber wir sind davon überzeugt, dass sich im Bereich Downloads ein wachsendes und florierendes Geschäft entwickelt hat, während das Dateientauschen stagniert.“ Eine Sichtweise, der führende Marktforscher jederzeit widersprechen würden. Bereits vor wenigen Tagen zeigte MusikWoche anhand aktueller Datenverkehrsanalysen von BigChampagne, dass die Zahl der Nutzer in den verschiedenen Filesharing-Systemen im Jahresvergleich im zweistelligen Prozentbereich zugenommen hat.
Die mehr als 18.000 Klagen gegen P2P-Nutzer und das Urteil des Supreme Court, das den P2P-Anbietern Grokster und StreamCast eine Haftungspflicht für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer bescheinigte, hätten zwar für ein verändertes Unrechtsbewusstsein bei den Filesharern gesorgt, meint BigChampagne-CEO Eric Garland, doch am hohen Niveau der P2P-Aktivitäten habe die RIAA-Strategie nichts geändert.
In den Tauschbörsen seien laut Garland jederzeit rund 1,5 Mrd. Songs verfügbar – eine Repertoiretiefe, die legale Angebote so schnell kaum einholen werden. Doch der BigChampagne-Chef gibt zu, dass die Sorgen der RIAA in dieser Hinsicht kaum noch größer werden: „Die Musikbranche steht nicht mehr vor zweistelligen Pirateriezuwachsraten, aber Hollywood sehr wohl.“
Der Lichtblick für Mitch Bainwol und die Firmen, die sein Verband vertritt: Auch wenn der Absatz von CDs derzeit um drei Prozent unter den ohnehin schon schlechten Verkaufszahlen des Jahres 2005 liegt, so konnte sich das Downloadgeschäft bislang um 77 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau verbessern. Dies gleiche die Verluste im physischen Bereich aus, so Bainwol.





