Für Tim Renner steht fest: Wenn die Musikindustrie in Deutschland sich weiterhin dagegen sträubt, die „neuen Realitäten“ zu akzeptieren, wird aus der Trendwende nichts. In der BBC-Sendung „The Music Biz“ sagte der Motor-Chef vergangene Woche, die deutsche Branche befinde sich „so ziemlich im Zombie-Stadium“, weil sie noch immer keine Antworten auf illegale Downloads und Piraterie gefunden habe. „Das Problem der Musikindustrie ist doch, dass sie nicht akzeptieren will, dass das klassische Geschäftsmodell endgültig passé ist.“
Doch Peter Zombik hält Renners Einschätzung zur Lage für völlig übertrieben. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Phono, der Deutschen Landesgruppe der IFPI und der GVL gab zwar zu, dass es „ernste Probleme“ mit Internetpiraterie und privater Vervielfältigung gebe, aber das sei in vielen anderen weit entwickelten Märkten nicht anders. In Bezug auf Renners dramatische Marktanalyse befand Zombik: „Die Branche hat keineswegs die Kontrolle über den Musikmarkt verloren. Tatsächlich ist es doch eher so, dass der Markt speziell im deutschen Repertoire-Bereich ziemlich erfolgreich ist.“
Den nicht neuen Vorwurf, die Musikwirtschaft habe zu langsam auf die Herausforderungen durch Internet und Downloads reagiert, wies Zombik zurück: „Wir waren die ersten, die einen Downloaddienst eingerichtet hatten – bereits 1997. Damals war das zwar nicht besonders erfolgreich, weil Napster und andere P2P-Services sehr populär wurden. Aber ist für die Branche auch heute noch schwierig, mit illegalen Angeboten zu konkurrieren, wenn deren Preis bei Null liegt.“






