Im vergangenen Jahr sprachen sich immer mehr Musiker:innen und Player aus dem Indie-Sektor gegen die Marktdominanz von Spotify aus, einige Acts ließen sogar ihre Musik von der Plattform des Marktführers entfernen. Im Windschatten reklamiert unter anderem der französische Streamingdienst Qobuz Zugewinne an Marktanteilen und auch an Umsatz.
Das Unternehmen nennt zwar keinen konkreten Jahresumsatz, verweist jedoch auf 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 45,7 Prozent gestiegene Einnahmen seien, womit man deutlich überm Marktdurchschnitt liegt. Monatlich nutzen weltweit rund 1,2 Millionen Menschen den Dienst.
Qobuz bietet anders als einige Mitbewerber auf dem Streamingmarkt kein kostenloses Modell an. Unter anderem deshalb liegt man mit einem jährlichen Umsatz pro Nutzer:in (ARPU) von 120,30 Euro laut eigenen Schätzungen um gut 6,5 über dem Marktdurchschnitt. Zudem gibt das Unternehmen ohne konkrete Zahlen an, dass man über einen positiven Cashflow verfüge, keine Finanzschulden habe und einen EBITDA-Break-even erreicht habe. Den ersten Gewinn erwartet man im März 2027.
Und nun zum deutschen Geschäft von Qobuz: Der Umsatz wuchs hierzulande um 34,4 Prozent. Deutschland ist mit einem Anteil von elf Prozent an den firmenweiten Einnahmen zudem der drittgrößte Markt des Streamingdienstes. Im MusikWoche-Interview enthüllt die Country-Managerin Mareile Heineke zudem: „Die Zahl der neuen Abonnent:innen ist im Vergleich zum Vorjahr um 147 Prozent gestiegen.“ Deutschland sei heute „einer unserer wachstumsstärksten Märkte“, so die Qobuz-Managerin.
Warum neue Nutzer:innen zu Qobuz wechseln, wird nicht genau erhoben. Heineke meint aber: „Unser ‚Stammkund:innenstamm‘ besteht aus anspruchsvollen Musikliebhaber:innen, die oft über eine hochwertige Hi-Fi-Anlage verfügen. Wir sehen jedoch seit einiger Zeit auch ein neues Publikum bei Qobuz. Diese Nutzer:innen kommen zu uns, weil sie vor allem unsere Werte teilen.“ Diese seien, mit Verweis auf die vom Unternehmen selbst veröffentlichten Zahl von 18,02 Euro als durchschnittliche Auszahlung pro 1000 Streams, Transparenz sowie der „menschliche und respektvolle Umgang mit der Musik und den Menschen, die sie schaffen“.
Trotz mehrfachem Verweis auf die Abgrenzung von den anderen Streamingdiensten und den Vergleich mit ebenjenen wolle man nicht mit ihnen konkurrieren, so die Country Managerin weiter: „Der Musik-Streaming-Markt ist riesig. Wir schaffen uns darin allerdings einen Platz, der unseren Werten entspricht: hochwertige Audioqualität, Unabhängigkeit, im Dienste der Musikschaffenden und Musikliebhaber:innen.“
Seit der Übernahme im Jahr 2015 verfolge man eine „klare und konsequente Strategie“: „Im Mittelpunkt stehen Klangqualität, redaktionelle Inhalte von Menschen und ein vollständig kostenpflichtiges Modell. Das differenziert uns auch von anderen Anbietern. Dabei sind wir unserer Gründungsvision stets treu geblieben: dem Respekt vor der Musik, den Kunstschaffenden und den Menschen, die Musik hören. Unsere Zahlen zeigen, dass dieser Ansatz auch ein tragfähiges Modell ist. Diesen Weg verfolgen wir langfristig. Unsere Überzeugung bleibt unverändert. Musik steht im Mittelpunkt – von Menschen gemacht, für Menschen.“
Anfang 2026 eröffnete Qobuz mit vorerst einer Mitarbeiterin eine Dependance in Berlin. MusikWoche wollte wissen, wie sich diese neue Präsenz auf die Aktivitäten auf dem deutschen Markt auswirkt. Heineke meint, die ersten Effekte seien schon jetzt zu spüren: „Wir haben in diesem Jahr wegweisende Partnerschaften mit renommierten Festivals und Konzertreihen geschlossen. Dazu gehören unter anderem das Golden Leaves Festival in Darmstadt, die Sommerinsel-Konzertreihe in Berlin sowie das Waves Vienna in Wien. Diese Kooperationen erlauben es uns, die Brücke zwischen hochwertigem digitalen Musikgenuss und dem einzigartigen Live-Erlebnis zu schlagen.“
Qobuz ist aber nicht nur ein Streamingdienst, sondern bietet auch Downloads an. Dieses Modell will man auch künftig weiter verfolgen. „Bei Qobuz existieren beide Modelle bewusst nebeneinander. Für die Hörer:innen erfüllt die Downloadfunktion ein Bedürfnis, welches Streaming nicht abdeckt: den Wunsch, Musik zu besitzen. Sammler:innen legen gern eine eigene Musiksammlung an, und wir sind eine der wenigen Plattformen weltweit, die den Kauf digitaler Musik in CD-Qualität, Hi-Res, DXD und DSD anbieten. Dieses Segment sehr anspruchsvoller Hörer:innen steht im Mittelpunkt unserer Unternehmensidentität.“
Für die Künstler:innen sei der Unterschied „wirtschaftlicher Natur“: „Jeder Kauf spiegelt direkt den Wert eines Werks wider und generiert eine direktere und höhere Vergütung für die Musikschaffenden. Die beiden Optionen ergänzen sich dabei. Streaming fördert die Entdeckung neuer Musik, Downloads ermöglichen es, das Entdeckte zu bewahren und die Künstler:innen konkret zu unterstützen. Qobuz wird weiterhin beides anbieten.“




