Recorded & Publishing

Produktion Blau über die Clip-Branche

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sieht Markus Peichl, Inhaber der Firma Produktion Blau, eine Herausforderung für die Clip-Branche, die darauf mit kreativen Lösungen reagieren soll.

mw: Trotz des Umsatzrückgangs bei der Tonträgerindustrie haben Sie Ihre Musikvideo-Abteilung vergrößert und mit Stephan Pauly einen prominenten Neuzugang gemeldet. Was war Ihre Motivation dafür?

Markus Peichl: Wir wollen für frischen Wind sorgen. Die Produktion von Videoclips macht Spaß, auch wenn man dort viel geringere Margen einfährt, als wir das vom Fernsehgeschäft gewöhnt sind. Inzwischen haben wir bewiesen, dass man mit Professionalität sein Ziel erreichen kann. Wir haben unser Portfolio ergänzt und gezeigt, dass man kreativ und wirtschaftlich etwas bewegen kann.

mw: Welche Rolle spielt dabei Stephan Pauly?

Peichl: Wir würden nicht jemanden wie Stephan Pauly engagieren, wenn wir nicht vorhätten, entsprechend zu wachsen. Sein Wechsel zu uns soll der Branche zeigen, dass wir noch viel vorhaben.

mw: Welche Schritte planen Sie?

Peichl: Wir wollen Quantität und Qualität der produzierten Clips erhöhen und uns personell wie strukturell weiter verstärken. Dazu gehören unter anderem zwei festangestellte Producer, die 2002 ihre Arbeit aufnehmen werden. Damit wollen wir auch Nachwuchsregisseure ans Haus binden und kreatives Potenzial zu Produktion Blau holen. Denn Musikclips sind nach wie vor eine Spielwiese für junge Talente. Hier finden sie ein Feld, in dem sie sich profilieren können.

mw: Wie reagieren Sie auf einen generell schwächer werdenden Markt?

Peichl: Trotz eines enger werdenden Markts möchte ich mich den Wehklagen nicht anschließen. Wir begegnen der Situation nicht mit Depression, sondern sehen darin eine Herausforderung.

mw: Was bedeutet das konkret?

Peichl: Wir müssen jederzeit bereit sein, flexibel und schnell arbeiten zu können. Das bedeutet, dass wir einen entsprechenden Apparat benötigen, bei dem eine agile Produktions-Unit die Kreativabteilung komplementär ergänzt.

mw: Welche weiteren Folgen hat die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage?

Peichl: Viele Clip-Regisseure haben aufgegeben, weil sie es leid waren, mit ständig sinkenden Budgets zu kämpfen. Selbst bei den Video-Commissionern ist ja inzwischen eine gewisse Ermüdung festzustellen.

mw: Welche Prognose können Sie für die Clip-Branche geben?

Peichl: Wir werden zum einen große Produktionsfirmen haben, die auch schwere Zeiten überstehen können. Zum anderen werden ein paar kleine Wohnzimmer-Unternehmen überleben. Die Firmen im Mittelfeld werden es allerdings schwer haben.

mw: Viele Stimmen kritisieren sinkende Qualität bei deutschen Clips: Wie können Sie sich das erklären?

Peichl: Wir erleben einen Rückgang der Musikproduktionen und der Verkäufe. Das führt zu einem Rückgang der Musikvideo-Budgets. Dies wiederum bewirkt, dass es für Produktionsfirmen und Regisseure immer enger wird – zu viele Videos sehen zu gleich aus. Es hat aber keinen Sinn, sich über diesen Umstand zu Tode zu grämen, sondern man muss damit umgehen und Lösungen finden.

mw: Welche strategischen Folgerungen ziehen Sie daraus für Produktion Blau?

Peichl: Wir halten es mit der alten Volksweisheit: „In Bedrängnis und Not führt der Mittelweg zum Tod.“ Deshalb sagen wir: Das Eier-legende-Wollmilchsau-Durchschnittsvideo für 80.000 Mark hat auf lange Sicht keine Zukunft mehr. Gefragt sind hochklassige Videos im High-End-Segment und kreative Lösungen für unter 50.000 Mark. Wir sind für beide Varianten gerüstet.