In der „Roadmap“ positionierte sich Spotify gegen gesetzgeberische Eingriffe: Neue Steuern würden dem abofinanzierten Modell schaden, nationale Quotenziele die Verbraucherwahlfreiheit einschränken. Für bessere Tantiemen seien laut dem Streaminganbieter vor allem Labels und Vertriebe mit verlässlicheren Metadaten gefordert, Verwertungsgesellschaften müssten mehr Transparenz liefern.
Pro Musik sieht das anders. Der Verband beanstandet zum einen eine rechnerische Diskrepanz in Spotifys Eigenangaben: Das Unternehmen behaupte, rund zwei Drittel jedes Euros an Rechteinhaber:innen auszuschütten. Tatsächlich errechnet sich Pro Musik über die vom Konzern veröffentlichten Zahlen – 9,2 Milliarden Euro Ausschüttung bei 17,2 Milliarden Euro Gesamtumsatz im Jahr 2025 – eine Quote von lediglich 53 Prozent. Der Verband fordert Spotify deshalb auf, diese Diskrepanz zu erklären und künftig korrekt zu kommunizieren.
Darüber hinaus kritisiert Pro Musik, dass Spotify im „Fahrplan“ zentrale Steuerungsmechanismen des Systems – darunter das Pro-rata-Verteilungsmodell, algorithmische Priorisierung und Monetarisierungsschwellen – nicht thematisiert und stattdessen Defizite bei Verwertungsgesellschaften, Metadaten und staatlichen Rahmenbedingungen anführt.
Das nutzerzentrierte Verteilungsmodell, das viele Musikschaffende seit Jahren fordern, erwähne Spotify im Fahrplan nicht ernsthaft. Zudem fehle nach wie vor eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Musik auf der Plattform. Auch die unvollständige Darstellung von Credits – insbesondere für nicht im Vordergrund stehende Artists sowie Studiomusiker:innen – bleibe ein ungelöstes Problem, das technisch ohne Weiteres behebbar wäre, wie Pro Musik findet.
„Spotify zieht sich aus der Verantwortung und zeigt mit dem Finger auf Labels, Verwertungsgesellschaften und Politik. Sie müssten liefern, damit es mehr Vergütung gäbe. Das sind Nebelkerzen und lenkt von der eigenen Verantwortung ab“, sagt Christopher Annen, Vorstandsvorsitzender Pro Musik. Sein Verband appelliert deshalb an den Streaminganbieter, „endlich im Sinne der Musikschaffenden zu handeln, mit deren Werken die Plattform groß wurde, statt diese aus dem System zu drängen – durch fehlende Vergütung, Algorithmen und KI“.
Pro Musik fordert nun etwa die Einführung eines nutzerzentrierten Vergütungsmodells, Ausschüttungen ab dem ersten Stream, vollständige Credits sowie mehr Transparenz über Gewinn- und Verteilungsstrukturen. Positiv bewertet Pro Musik lediglich die Aufbereitung von Künstler:innendaten über das Tool Spotify For Artists, das anderen Streamingdiensten in diesem Bereich überlegen sei.




