Kein Tag ohne EMI-Spekulationen: Nun tauchte in US-Medien ein Gerücht auf, nach dem der frühere Künstlermanager und Disney-Chef Michael Ovitz die Rolle des Chairman bei der EMI Group übernehmen soll, wenn ein Private-Equity-Investor das bisherige Höchstgebot von Terra Firma überbietet.
Ovitz soll nach Informationen der „New York Post“ seit einigen Monaten schon in engem Kontakt mit One Equity Partners, einem Investitionsarm der Bank JPMorgan, gestanden haben. Als Berater habe er dort einen neuen Business-Plan für EMI entwickelt, der den britischen Major gründlich umkrempeln würde.
Demnach sollte sich EMI Recorded Music nach und nach vom Tonträgergeschäft verabschieden und die Schwerpunkte künftig auf Künstlermanagement sowie auf digitalen Vertrieb, Marketing und Promotion legen. Erste Schritte in diese Richtung habe das Unternehmen ohnehin bereits mit den Verträgen mit Korn und Robbie Williams gemacht. Darüber hinaus soll laut Ovitz wohl ein starker Akzent auf mobile Auswertungsformen gelegt werden.
Dem Vernehmen nach will One Equity zwar das Angebot von Terra Firma über 265 Pence pro Aktie nicht überbieten, doch Ovitz hat offenbar keinen Vertrag mit den Kapitalgebern. Ovitz werde seinen Plan bei Bedarf mit einem anderen Finanzier umsetzen, heißt es.
Ovitz erreichte seinen vorläufigen Zenit in der Entertainmentbranche in den 80er- und 90er-Jahren. Nach seiner Zeit bei der Künstleragentur William Morris Agency gründete er die Creative Artists Agency, die er von 1975 bis 1995 leitete. In dieser Zeit war Ovitz als Manager unter anderem für die Verträge von Madonna, Michael Jackson, Prince und den Smashing Pumpkins verantwortlich. Zwischen 1994 und 1995 war als President der Walt Disney Company tätig, schied aber nach perönlichen Differenzen mit Chairman Michael Eisner bereits nach 14 Monaten aus – und erhielt einen Abfindung in Höhe von 140 Millionen Dollar. Später fiel Ovitz in der Unterhaltungsbranche in Ungnade, weil er für seinen Sturz aus dem Hollywood-Olymp die „Gay Mafia“ – einen angeblichen inneren Machtzirkel in Hollywood um einflussreiche homosexuelle Führungskräfte und Unternehmer wie David Geffen – verantwortlich machte.
Unterdessen hat der ehemalige EMI-Chef Jim Fifield nun offiziell bestätigt, dass er auch nach dem Rückzug von Corvus Capital ernstes Interesse an einer Übernahme von EMI hat. Mit welchen Geldgebern er diesen Deal bewerkstelligen will, ist derzeit nicht bekannt.
In London notierte die EMI-Aktie am Nachmittag des 25. Mai bei 274,5 Pence – fast zehn Pence über dem Gebot von Terra Firma.





