In Großbritannien sorgt sich Prince nach dem rekordverdächtigen Ausverkauf seiner 28 London-Konzerte wohl nur noch herzlich wenig um die Beziehung zum Tonträgerhandel. Sein neues Album „Planet Earth“ soll nämlich von der „Mail on Sunday“ als kostenloses Covermount unters Volk gebracht werden.
Stephen Miron, Managing Director des Sonntagsblatts, erklärte dem „Guardian“, bei dieser Aktion handle es sich um „die größte Innovation in der Zeitungs-Promotion“ seit Langem. An welchem der kommenden Sonntage „Planet Earth“ der „Mail“ beiliegen soll, ist noch nicht bekannt. Doch es gilt als sicher, dass der Verlag Associated Newspapers seine Auflage für diese Aktion massiv aufstocken wird. Zwei Mio. Exemplare der CD will die Zeitung als kostenlose Beilage in Umlauf bringen.
Offiziell sollte das Album in Großbritannien am 16. Juli in den Handel kommen. Nun ist dieser Termin aber mehr als fraglich: Die britische Niederlassung von Sony BMG – der Major hatte sich die weltweiten Vertriebsrechte für „Planet Earth“ gesichert – zog schon Konsequenzen: Die UK-Filiale des deutsch-japanischen Konzerns habe sich aus dem Deal mit Prince zurückgezogen, ließ ein Unternehmenssprecher wissen. Sony BMG UK werde das Album nicht an den britischen Handel ausliefern.
„Wir halten dies für den richtigen Schritt in einem schwierigen Handelsmarkt“, sagte ein Sony-BMG-Sprecher. „Wir freuen uns, dass Prince wieder bei einem Majorlabel gelandet ist, aber so ergibt das in Großbritannien keinen Sinn.“ Bei Sony BMG sei man bei Abschluss des Vertrags zwar über die Kostenlos-CDs informiert gewesen, die Prince den Londoner Konzertbesuchern mit nach Hause geben wird. Aber vom Deal mit der „Mail“ wusste die Plattenfirma bis vor wenigen Tagen nichts. „Wir wollen unsere Partner im Handel schließlich nicht an der Nase herumführen. Aus Rücksicht auf unsere Händler werden wir die Platte hier nicht veröffentlichen.“
Im Einzelhandel findet man das Vorgehen des Künstlers ebenfalls nicht berauschend. Simon Fox, CEO von HMV, wird mit den Worten zitiert: „Ich kann nicht glauben, dass sich die Musikbranche so etwas selbst antut. Das wäre doch völlig idiotisch.“ Und Paul Quirk, Chairman der Händlervereinigung ERA, fürchtet durch die CD-Beilage eine weitere Entwertung des Kulturguts Musik. Quirk bezeichnete die Verschenkaktion als „Beleidigung für all jene Plattenläden, die Prince während seiner gesamten Karriere unterstützt haben.“ Er ergänzte: „Der Artist formerly known as Prince sollte sich darüber im Klaren sein, dass er mit dieser Vorgehensweise sehr bald der Artist formerly available in Record Stores sein wird.“
Bei der „Mail on Sunday“ versteht man die ganze Aufregung indes nicht und behauptet, dass Covermount-CDs das allgemeine Interesse an Musik steigern würden. Geschäftsführer Miron lud den Handel zum Dialog und möglichen Partnerschaften ein. „Schließlich ist die ‚Mail on Sunday‘ der größte Vertrieb für Alben im ganzen Land.“






