Recorded & Publishing

Prince macht Million mit Zeitungs-Deal

In Großbritannien sorgt die millionenschwere Aktion von Prince und einer Sonntagszeitung weiter für Wirbel. Nun liegen mit Virgin und HMV die beiden führenden Fachhändler des Landes miteinander im Clinch. Einer von beiden will die „Mail on Sunday“ ins CD-Regal stellen.

Das Datum steht fest: Am 15. Juli will die britische „Mail On Sunday“ ihre Leser mit einem Gratis-Exemplar des aktuellen Albums von Prince, „Planet Earth“, beglücken. Für den US-Superstar soll das Gesamtpaket hinter dieser sogenannten Covermount-Aktion einen Wert von rund einer Million Dollar haben. Das will zumindest das britische Fachmagazin „Music Week“ erfahren haben.

Nun liegen zudem die Virgin Megastores und die HMV Group, die beiden führenden Fachhändler des Landes, miteinander im Clinch. Weil „Planet Earth“ nicht regulär über einen Tonträgervertrieb in den UK-Handel gelangt, will HMV einfach die kommende „Mail on Sunday“-Ausgabe, der die Platte beiliegt, ins CD-Regal stellen. Sony BMG, eigentlich weltweiter Vertragspartner von Prince für diese Veröffentlichung, hatte von einer Auslieferung in Großbritannien abgesehen, nachdem bekannt wurde, dass das Prince-Management die CD als kostenlose Zeitungsbeilage in Umlauf bringen wird.

Bei HMV will man allerdings nicht tatenlos zusehen und plant, Exemplare der „Mail on Sunday“ zu verkaufen. Ein Schritt, der bei der Konkurrenz gar nicht gut ankommt: Simon Douglas, Managing Director von Virgin Retail, wirft HMV Opportunismus vor. Noch vor zwei Wochen wurde HMV-Chef Simon Fox mit folgenden Worten zitiert: „Ich kann nicht glauben, dass sich die Musikbranche so etwas selbst antut. Das wäre doch völlig idiotisch.“ Den plötzlichen Sinneswandel kann Douglas nicht gutheißen. „Wir staunen darüber, wie HMV eine plötzliche Kehrtwende in diesem Fall vollzogen hat. Vor allem wenn man bedenkt, wie laut die sich über den Schaden dieser Aktion beschwert haben“, so der Virgin-Geschäftsführer. „Und es leiden ja nicht nur die Händler. Langfristig zieht auch die Öffentlichkeit den Kürzeren, wenn die Auswahl in den Plattenläden schrumpft. Um die möglichen Langzeitfolgen abzuschätzen, muss man sich nur einmal ansehen, was gerade mit Fopp passiert ist.“

Bei HMV äußerte sich ein Sprecher indes eher diplomatisch zur Situation: „Wir dulden es nicht, dass Covermounts zu einem Hauptvertriebskanal für Musik und Film werden. Und wir sind uns auch der Probleme bewusst, die dadurch entstehen. Wir hätten das neue Prince-Album lieber regulär anbieten wollen, aber die Entscheidung des Künstlers, seine Platte auf diesem Weg zu veröffentlichen, lässt uns keine andere Wahl.“

Zusätzliches Öl ins Feuer goss allerdings Stephen Miron, Geschäftsführer der „Mail“. Seiner Ansicht nach reagiere der Handel völlig überzogen und verpasse sogar eine Chance: „Ich finde, hier wird ein veralteter, defensiver und traditioneller Ansatz verfolgt.“ Die Promotionaktion der „Mail“ sei eine „Innovation“, die „schließlich nicht jede Woche stattfindet.“

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