Neil Portnow, President der National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS), sieht die Zukunft der Branche gefährdet. Die Musik- und die Technologiewirtschaft müssten deshalb ihre Grabenkämpfe beenden und einen Waffenstillstand schließen.
Die beiden Industriezweige hingen zu sehr gegenseitig voneinander ab, als dass sie es sich weiterhin leisten könnten, gegeneinander zu arbeiten, sagte Portnow in einer Rede im Rahmen der Abendgala „Grammy on the Hill“ vor führenden Branchenvertretern, Politikern und Musikern in der US-Hauptstadt Washington. Er appellierte an die Musik- und Technologiebranche, endlich ihre feindseligen Haltungen aufzugeben und in einen konstruktiven Dialog zu treten. Die Auseinandersetzungen hätten bislang nur zu Strafverfolgung und einer Entzweiung der politischen Interessen geführt.
„Wir wissen alle, dass in den kommenden fünf Jahren neue Strategien und Geschäftsmodelle greifen werden, die unsere Branche auf Jahrzehnte hinaus prägen werden“, so Portnow. „Die Technologie- und die Musikindustrie können weiter ihren Krieg führen, bei dem es nur einen Sieger und einen Verlierer, aber keinen wirklichen Gewinner geben kann. Oder wir entscheiden uns zu einer Zusammenarbeit für Rahmenbedingungen, die beide Seiten zu Gewinnern macht.“
Für diesen Waffenstillstand schlägt Portnow einen Dreipunkteplan vor. Als erstes müssten beide Seiten endlich ihre Phrasendrescherei beenden. „Wie oft haben Sie hören müssen, dass die Musikwirtschaft ‚konsumentenfeindlich‘ und ‚innovationsfeindlich‘ ist? Wie oft haben Sie Technologiefirmen beschuldigt, sie seien ‚urheberrechtsfeindlich‘ und „stehlen unsere Musik‘?“ Schon alleine eine Veränderung des Tonfalls im Umgang miteinander könne einiges erreichen, meint Portnow.
Zweitens müsse die Kommunikation zwischen den beiden Wirtschaftszweigen künftig direkter und unmittelbarer ablaufen. Und drittens müssten bei Verhandlungen über künftige Rahmenbedingungen auch immer die Musikschaffenden selbst mit am Tisch sitzen. Es täte allen Beteiligten gut, wenn Musiker, Komponisten und Produzenten bei den Gesprächen mit Rundfunkanstalten, Satellitenfirmen oder Technologiefirmen involviert wären. Gerade Produzenten und Tontechniker, die als Bindeglied an der Schnittstelle zwischen der kreativen und der technischen Seite des Musikgeschäfts arbeiten, müssten sich als Botschafter dieses Burgfriedens engagieren, forderte der NARAS-President.






