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Polizei setzt organisierte Piraten fest

Der Polizei ist in Zusammenarbeit mit der GVU am 16. September der vermutlich größte Schlag gegen organisierte Raubkopierer gelungen. Nach Hausdurchsuchungen in Thüringen, Bayern und Niedersachsen nahmen Ermittler vier Personen fest, die via FTPwelt.com Schaden in Millionenhöhe verursacht haben.

Der Kriminalpolizei ist in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) am 16. September der vermutlich bisher größte Schlag gegen organisierte Raubkopierer gelungen. Nach Hausdurchsuchungen in Thüringen, Bayern und Niedersachsen nahmen Ermittler vier Personen fest, die über die Piraten-Site www.FTPwelt.com Schaden in Millionenhöhe verursacht haben. Die mutmaßlichen Betreiber der Website, über die illegal Musik, Filme, Games und Software vertrieben wurde, sind die Brüder Thomas und Daniel R. aus dem südthüringischen Mühlhausen. Ein in der IT-Branche bekannter und umstrittener Anwalt aus München soll sich um die Rechtsfragen, Abrechnungen und Buchhaltung gekümmert haben. Bernhard S. wird zusammen mit den anderen Verdächtigen Geldwäsche, die Gründung einer kriminellen Vereinigung und massive Verstöße gegen das Urheberrecht vorgeworfen. Über eine Briefkastenfirma auf der Insel Tortola (British Virgin Islands) wurden die Geldtransaktionen abgewickelt. Die FTP-Server, auf denen das kopierte Material lagerte, befinden sich im Ausland, zumeist in Russland, den USA und in den Niederlanden. Das Piratenangebot lief vermutlich seit Juni 2003 und zuletzt waren rund 45.000 zahlende Kunden Abnehmer der digitalen Raubkopien. Laut GVU zahlten die „Mitglieder“ dieses Vertriebsrings monatlich 135 Euro und konnten dafür aus dem Vollen schöpfen. Erst durch die Mithilfe eines Hackers, der in der Vergangenheit in Konflikt mit der Kanzlei von Bernhard S. kam, gelang den Ermittlern der Zugang in das geschlossene Piratennetzwerk. GVU-Chefermittler Bernd Kulbe sprach von „hoher krimineller Energie“ und von einem „hoch professionellen, konspirativen Vorgehen“, das einzigartig gewesen sei. Der Schaden, der durch die Aktivitäten entstanden ist, befindet sich nach GVU-Schätzungen im zweistelligen Millionenbereich.