Die deutsche Musikwirtschaft sieht ihre Strategie dank erneuter Erfolge im Kampf gegen die Onlinepiraterie bestätigt und will ihr Vorgehen weiter intensivieren. So sei die Zahl der illegalen Downloads von rund 600 Millionen im Jahr 2003 auf zuletzt noch 374 Millionen im Jahr 2006 gesunken: Der niedrigste Stand seit Beginn der aktiven Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen in Tauschbörsen im Jahr 2004, wie es bei der Präsentation der Jahreszahlen des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft am 29. März in Berlin hieß.
„Zwar kommen auf einen legalen immer noch rund 14 illegale Downloads, aber die Zahlen bestätigen unsere Strategie“, sagte Michael Haentjes, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Phonoverbände. Allein seit Jahresbeginn seien 15.000 Strafverfahren eingeleitet worden. „Und wir werden diese Zahl bei Bedarf weiter erhöhen.“ Es solle jedoch niemand kriminalisiert oder durch überzogene Schadensersatzforderungen ruiniert werden. „Aber jedem muss klar sein, dass Internetpiraterie kein Kavaliersdelikt ist und im Netz niemand anonym bleibt.“
Zudem wollen die Plattenfirmen die erzielten Schadensersatzzahlungen laut Haentjes künftig für die musikalische Grundbildung von Schülern stecken. So sollen unter dem Motto „Musik macht Schule – Schule macht Musik“ ab dem Schuljahr 2007/2008 an bundesweit 2500 Schulen rund 100.000 Musikstunden gefördert werden. „Wenn in einzelnen Bundesländern bis zu 80 Prozent des Musikunterrichts ausfallen, brauchen wir uns nicht darüber wundern, dass es gerade in der jungen Generation an Bewusstsein dafür mangelt, welchen Wert Musik und geistiges Eigentum haben“, sagte Haentjes. Auch das Projekt SchoolTour wollen die Phonoverbände ausbauen.
Haentjes nutzte die Präsentation aber auch, um die politischen Standpunkte der Musikwirtschaft zu unterstreichen und klare Regelungen zur Privatkopie sowie ein Verbot intelligenter Mitschnitt-Software zu fordern: „Ein gesundes Musikgeschäft kann sich nur dann entwickeln, wenn die Interessen von Künstlern, Musikindustrie und Verbrauchern gleichermaßen berücksichtigt werden.“ Haentjes sparte auch nicht mit Kritik an dem vorliegenden Entwurf zur Umsetzung der Enforcement-Richtlinie: „Das Urheberrecht muss endlich in der digitalen Realität ankommen. Der jetzt vorliegende Entwurf bewirkt genau das Gegenteil.“






