Seit viereinhalb Monaten fehlte jede Spur von Boyband-Macher Lou Pearlman. Nun entdeckte ein deutscher Tourist den in den USA steckbrieflich gesuchten Musikmanager in einer Ferienanlage auf Bali. Pearlmans letzter öffentlicher Auftritt war am 1. Februar bei der Verleihung der Goldenen Kamera in Berlin. Danach tauchte er unter – er wollte sich offensichtlich einer Verhaftung entziehen, weil ihn Ermittlungen in seiner Heimat mit einem groß angelegten Betrugsskandal in Verbindung bringen.
Auf die Spur kamen ihm die Behörden nach dem Hinweis eines Deutschen, der Pearlman im Westin Resort Nusa Dua im Süden der indonesischen Insel Bali erkannt hatte. Die örtliche Polizei erklärte den Manager von Bands wie Backstreet Boys, US5 oder ‚N Sync daraufhin zur unerwünschten Person und übergab ihn an Mitarbeiter des FBI. Die US-Bundespolizei flog ihn danach nach Guam aus, ein externes Territorium der USA im Südpazifik. Dort wartet er in Untersuchungshaft derzeit auf die Auslieferung nach Florida, wo ihm der Prozess gemacht werden soll.
Pearlman gilt als Drahtzieher eines illegalen Pyramidensystems, bei dem vermutlich bis zu 2000 Menschen um ihre Investitionen in Pearlmans Trans-Continental-Firmengeflecht geprellt wurden. Die Ermittlungen in dieser Angelegenheit gewannen schon Mitte Februar an Dynamik, als das FBI die Trans-Continental-Büros und Pearlmans Privatbesitz in Orlando durchsuchte und belastendes Material beschlagnahmte. Manche der Anleger in dem Betrugskonzept verloren dabei ihre gesamten Ersparnisse. Derzeit ist noch unklar, wie viel Kapital tatsächlich veruntreut wurde. Mindestens geht es jedoch um einen Betrag in Höhe von 317 Mio. Dollar.
Pearlmans Firmen und ihr greifbares Inventar wurden in der Zwischenzeit konfisziert und zum Teil bereits versteigert, um erste Gläubiger abzufinden. Doch das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Strafverfolger in den USA hoffen, beim bevorstehenden Prozess gegen Pearlman den Verbleib des Geldes ausfindig zu machen – sofern es sich noch beschlagnahmen lässt.
Pearlman verdankt einen Großteil seiner Erfolge der Musikbranche und den Fans in Deutschland, wo die von ihm gecasteten Boybands zuerst vermarktet wurden. Sowohl ‚N Sync als auch die Backstreet Boys verkauften erst hierzulande Platten in Platin-Regionen, bevor sie in den Vereinigten Staaten veröffentlicht wurden.






