Recorded & Publishing

Payola-Verdacht bei Viva

Die Viva Media AG und Universal Music sollen eine Vereinbarung geschlossen haben, die garantiert, dass angeblich seit dem Herbst vergangenen Jahres rund 50 Musikclips von Universal-Künstlern in Rotation genommen werden.

Die Viva Media AG und Universal Music Deutschland sollen eine Vereinbarung geschlossen haben, die garantiert, dass angeblich seit dem Herbst vergangenen Jahres rund 50 Musikclips pro Jahr von Universal-Künstlern in Rotation genommen werden. Laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erhielt Viva dafür als Gegenleistung knapp 18.000 Euro pro Video als Garantiesumme, plus eine Gewinnbeteiligung von etwas mehr als 20 Cent an jeder verkauften Platte der 50 Musiktitel. Pro Forma soll Universal zudem eine Ermäßigung bei den Werbezeiten um rund zwei Drittel erhalten haben. In der Branche kursierten seit dem Frühjahr Gerüchte, Universal würde Sendezeiten für Clips kaufen. Offiziell dementiert der Marktführer aber „geheime Absprachen“ und proklamiert stattdessen „eine vorgezogene redaktionelle Auswahl zum Nutzen beider Seiten“. Die Musikwirtschaft könne Kosten sparen und Viva profitiere, „indem der zeitliche Mehraufwand durch gezielte Werbebuchungen ausgeglichen wird“. Eine Sprecherin der Viva Media AG bestätigte laut „Spiegel“ dagegen nur allgemeine Gespräche „mit der Tonträgerindustrie“ über die „Newcomer-Förderung“, und erklärte: „Es ist nie zu einer konkreten Vereinbarung gekommen, weil sich erwartungsgemäß schon die Redaktion dagegen ausgesprochen hat.“ So sei es nach einem Gespräch zwischen Viva-Chef Dieter Gorny und Universal-Boss Tim Renner sowie einem Treffen von Top-Managern beider Seiten nie zu einem Vertrag gekommen. Lediglich ein Memo hätte die wichtigsten Eckdaten zusammengefasst. Die Reaktionen der anderen Majors, die zunächst in die Absprache integriert werden sollten, sind deutlich: „Der Spiegel“ zitiert Sony-Chef Balthasar Schramm mit dem Diktum „krasse Wettbewerbsverzerrung“, und BMG-President Thomas Stein mit den Worten: „Wenn es so sein sollte, würde es einer einzigen Dauerwerbesendung für Universal entsprechen.“ Als „unmoralisch und nicht statthaft“, soll der einstige EMI-Boss Udo Lange den Deal bezeichnet haben. Er teilte zudem mit, dass auch EMI ein ähnliches Angebot auf dem Tisch gehabt hätte.