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Pause im Fusionspoker – EU mischt die Karten neu

Das Urteil des EU-Gerichts zu Sony BMG hat innerhalb eines Tages die Börsenwerte von zwei Majors um rund 1,2 Mrd. Dollar einbrechen lassen. Sollte die Genehmigung von Sony BMG fraglich sein, wäre ein Zusammenschluss von Warner Music und EMI ebenso gefährdet. Das sind schlechte Nachrichten für Anleger.

Das Urteil des EU-Gerichts, das die Annullierung der Genehmigung für das Joint Venture Sony BMG zur Folge hatte, ließ innerhalb eines Tages die Börsenwerte von zwei Majors um rund 1,2 Mrd. Dollar einbrechen. Sollte die kartellrechtliche Bedenkenlosigkeit von Sony BMG fraglich sein, wäre der geplante Zusammenschluss von Warner Music und EMI ebenso gefährdet. Das sind schlechte Nachrichten für Anleger.

In London sackten die Aktien der EMI Group am 13. Juli um gut 9,2 Prozent ab und schlossen mit nur noch 277,75 Pence. An der Wall Street brachen die Anteilsscheine der Warner Music Group (WMG) sogar um mehr als 17,5 Prozent ein und notierten zum Handelsschluss mit 24,53 Dollar. Die EMI-Papiere hatten seit Jahresbeginn 26 Prozent an Wert zugelegt, bei der WMG waren es gar 54 Prozent. Die Kurse beider Unternehmen profitierten zuletzt stark von der Hoffnung auf eine Fusion. Diese dürfte nun für unbestimmte Zeit auf Eis liegen.

Vor Ende August wird es im Fall Sony BMG keine Klarheit geben, unter Umständen zieht sich das Prüfverfahren auch bis zum Jahreswechsel hin. In Finanzkreisen rechnet daher niemand damit, dass EMI und Warner es wagen werden, bei der EU-Kommission ihr eigenes Merger-Gesuch abzugeben. „Das schiebt der EMI/Warner-Fusion gottlob einen Riegel vor und hält den Marktzugang für die Kleinen aufrecht“, jubelte Hein van der Ree, Vice President des Independentverbands Impala, dessen Klage zum aktuellen Urteil geführt hatte.

Zumindest bei EMI übt man sich jedoch weiter in Zuversicht: Es gebe keine Veranlassung zu der Annahme, EMI würde sich durch den Richterspruch von einer Übernahme der WMG abhalten lassen, erklärte Chairman Eric Nicoli im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Majors. „Wir wären nie an Warner herangetreten, wenn wir nicht davon überzeugt wären, die Zustimmung der Regulierungsbehörden zu erhalten.“ Und daran habe sich nichts geändert, so Nicoli.

Dennoch fürchten Beobachter, dass aus dem Geschäft wieder einmal nichts wird. Schon im Jahr 2000 brachen Warner und EMI ihre Fusionsgespräche ab, nachdem aus Brüssel eindeutig ablehnende Signale kamen.

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