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Pattsituation im Fusionsschach lässt Finanzwelt rätseln

Auch zwei Tage nach Bekanntwerden des jüngsten zweiwöchigen Bieterkampfs zwischen EMI und Warner Music sind sich Beobachter nicht einig, was von dem holprigen Major-Merger zu halten ist. Vor allem die Ziele der Warner-Eigner geben Rätsel auf.

Auch zwei Tage nach Bekanntwerden des jüngsten zweiwöchigen Bieterkampfs zwischen der EMI Group und der Warner Music Group (WMG) sind sich Beobachter nicht einig, was von dem holprigen, aber wohl unausweichlichen Major-Merger zu halten ist. Vor allem die Ziele der WMG-Eigentümergruppe geben Rätsel auf. Unklar ist, ob CEO Edgar Bronfman jr. und seine Investoren nur riskant pokern, um den Preis nach oben zu treiben, oder ob die Mehrheitsgesellschafter bei Warner tatsächlich ein langfristiges Engagement in der Musikbranche anstreben und sich durch die Übernahme von EMI lukrativere Resultate erhoffen, als durch den Verkauf ihrer WMG-Anteile.

Doch Börsenexperten wie Jessica Reif Cohen von Merrill Lynch warnen bereits davor, dass ein Überdrehen der Preisspirale den Sieger des Bieterkampfs letztlich zum Verlierer machen könnte: Wer zuviel für den Mitbewerber zahlen muss, kann durch die hohen Finanzierungskosten seinen Aktionären auch mit den oft beschworenen synergetischen Einsparungen bei einem Zusammenschluss keine verbesserten Zahlen mehr vorlegen. Der Cashflow des fusionierten Majors würde unter unnötig hohen Schulden und Zinsen leiden.

Zudem könnte die derzeit den Bewertungen der Kataloge von EMI und Warner schaden. Die bereits jetzt vorliegenden Gebote von 2,5 Mrd. Pfund bzw. 4,6 Mrd. Dollar wären damit unrealistisch hoch. Einig sind sich jedoch alle Analysten, dass der Deal zustande kommen wird. Wer dabei wen kaufen wird, bleibt die Frage. Die Mehrheit der Börsianer setzt offenbar auf EMI, wenngleich die Taschen von Warner tiefer scheinen.

„Wenn die WMG es sich leisten kann, eine Offerte von 31 Dollar pro Aktie auszuschlagen“, so Ricki Sandler von Eminence Capital, „dann sollten sie aber auch bereit sein, ein ordentliches Angebot für EMI zu machen.“ 350 statt der zuletzt gebotenen 320 Pence pro Aktie seien angemessen, meint der Portfolio-Manager, der drei Prozent der WMG-Aktien verwaltet. Die Londoner „Times“ rechnet sogar vor, dass es eher bis zu 400 Pence sein müssten, bevor das EMI-Management seinen Aktionären einen Verkauf ihrer Papiere empfehlen würde.

Damit würde sich der Kaufpreis für die britische Traditionsfirma zwischen 2,8 und 3,2 Mrd. Pfund (5,1 und 5,8 Mrd. Dollar) bewegen. Aktuell ist EMI gemessen am Schlusskurs des 29. Juni 2,42 Mrd. Pfund (4,4 Mrd. Dollar) wert, die WMG hingegen bringt es auf eine Marktkapitalisierung von 4,2 Mrd. Dollar.

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