Während die US-Justiz noch nicht abschließend über die Rechtmäßigkeit von P2P-Systemen entschieden hat, versucht die P2P-Firma Altnet in der Zwischenzeit Lizenzgebühren von einigen ihrer Mitbewerber wie Limewire, BearShare, eMule und Mashboxx zu erzwingen. Altnet ist ein Tochterunternehmen der Brilliant Digital Entertainment und nutzt dieselbe Filesharing-Technologie wie KaZaA. Mit dem auf Vanuatu angesiedelten KaZaA-Vertrieb Sharman Networks unterhalten BDE und Altnet seit Jahren verschiedene Gegenseitigkeitsabkommen. Laut Altnet verletzen andere P2P-Anwendungen Patente, die BDE und Altnet bereits seit zwei Jahren besitzen. Es handelt sich dabei um Verfahren zur Identifizierung und Verarbeitung von Dateien im Internet. Mit Hilfe so genannter Hashes werden gewissermaßen „Fingerabdrücke“ von Dateien genommen, die später den Clients der P2P-Nutzer das Auffinden bestimmter Files erleichtert.
Altnet hat nun eine Reihe von Briefen an die verschiedenen kommerziellen P2P-Anbieter verschickt, in denen man die Kollegen zu „Gesprächen über Lizenzierungsmöglichkeiten“ einlädt. Altnet droht zwar nicht mit einer Klage, fordert jedoch mit Nachdruck, dass die anderen P2Ps Tantiemen für die Nutzung der Technologie entrichten. Im September 2004 hatte Altnet Klage gegen die RIAA und die Firmen Overpeer und MediaSentry eingereicht. Der Verband und seine Mitglieder hätten die beiden Firmen beauftragt, defekte Dateien in das Altnet-System einzuschleusen. Dabei sei das gleiche Patent verletzt worden, für das man nun Lizenzgebühren haben will.
BDE und Altnet rühmen sich seit Monaten, ein legitimer P2P-Vertrieb zu sein. In der Tat hat Altnet mit verschiedenen amerikanischen Independentlabels Vertriebsdeals abgeschlossen. Die überwiegende Mehrheit des über Altnet getauschten Materials ist indes von den Urhebern nicht zum Tausch frei gegeben. Beobachter halten das Vorgehen von Altnet für aussichtslos, da die fraglichen Patente bereits seit langem bei vielen Applikationen zur Anwendung kommen und schon von anderen Firmen eingesetzt wurden, bevor Altnet sich die Patente gesichert hat.
Offenbar war Altnet beim Versand seiner Schreiben auch nicht besonders sorgfältig: „Ich finde das eher amüsant. Die behaupten, dass wir ihre Technologie nutzen, obwohl unser Dienst noch nicht einmal gestartet ist und niemand dessen Software sehen konnte“, sagte Wayne Rosso gegenüber der „Washington Post“. Rosso ist Geschäftsführer der in Gründung befindlichen Tauschbörse Mashboxx, die demnächst als legales Vertriebsmodell ans Netz gehen soll.





