Die Politik müsste zwar dringend schärfer gegen die anhaltende Onlinepiraterie vorgehen, doch die Krise der Musikbranche lässt sich nicht allein mit dem Erfolg von P2P-Systemen erklären. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die den Gesetzgebern ihrer 30 Mitgliedsstaaten empfiehlt, einen Ausgleich zwischen den Wünschen der Konsumenten und den Interessen der Rechteinhaber zu schaffen. Dieser Interessenausgleich dürfe jedoch keine Benachteiligung innovativer E-Business-Modelle und neuer Technologien mit sich bringen.
Die OECD rät daher zu einer „Neubewertung“ der Politik im Umgang mit digitalen Vertriebsformen. Das Ausmaß der Internetpiraterie lasse sich reduzieren, indem man Anbietern von Filesharing-Anwendungen und Superdistributionssystemen Lizenzen erteilt, so die Studie. Die Musikindustrie müsse ihre Geschäftsmodelle überarbeiten, um dem gesellschaftlichen und kulturellen Phänomen, das die Digitalisierung des Musikkonsums mit sich gebracht hat, gerecht zu werden. So bestehe z.B. die Möglichkeit, die Kosten für Musik künftig anders zu berechnen: Statt einen Preis für eine „ökonomische Einheit“ – also einen Song oder ein Album – zu verlangen, könnte Musik Bestandteil eines umfassenden Internet-, Kabelfernseh- oder Mobilfunkangebots sein.
Die OECD beklagt in ihrem Report auch das bislang ungelöste Problem von verschiedenen, untereinander inkompatiblen Datei- und Rechtesicherungssystemen. Sollte die Industrie weiterhin auf konkurrierende DRM-Lösungen setzen, ist mit einem gebremsten Wachstum im Onlinemusikmarkt zu rechnen.





