Im Rahmen der Jahrestagung des US-Händlerverbands NARM gab das amerikanische Marktforschungsunternehmen Nielsen SoundScan bekannt, dass es künftig auch Statistiken zu Downloadverkäufen in Europa erheben wird. Mit dem Angebot World Digital Service will der in den USA für die Erhebung der offiziellen Musikcharts zuständige Marktforscher eine internationale Vergleichbarkeit der digitalen Märkte herstellen. Ohne bislang Zahlen zu veröffentlichen, hat Nielsen SoundScan bereits seit Mai Daten erhoben. Demnach wurden in den drei Monaten bis Ende Juli in den USA rund 82,7 Mio. Titel digital gekauft, in Kanada waren es im gleichen Zeitraum 15,2 Mio. und in Europa 9,1 Mio. Songs.
Die Statistiker sammeln für ihren weltweiten Dienst Informationen von mehr als 120 Downloadhändlern in 20 Ländern. Unklar ist dabei jedoch, ob das Untersuchungspanel von Nielsen SoundScan in jedem Land völlige Marktabdeckung hat. Zu den kooperierenden Händlern und Dienstleistern zählen offiziell OD2, MSN Music, Tiscali, aon Musicdownload, Apple iTunes, MTV, MyCokeMusic, Chello Musiczone, Packard Bell, Wanadoo, TDC Online Musik, HMV, Virgin Mega und CDon.com. Weitere Partner nannte Nielsen SoundScan vorerst nicht.
Die Dreimonatsstatistik für Europa wirkt angesichts der offiziellen Zwischenbilanzen in den Downloadmärkten Deutschland und Großbritannien allerdings etwas fragwürdig: Im ersten Halbjahr haben laut BPI und Bundesverband Phono alleine Briten und Deutsche gemeinsam bereits knapp 19 Mio. Downloads gekauft. In den drei von Nielsen SoundScan untersuchten Monaten kommen beide Märkte gemeinsam auf 6,08 Mio. Titel. Demnach müssten Briten und Deutsche in den vier Monaten davor deutlich mehr Songs gekauft haben. Dies dürfte indes ziemlich unwahrscheinlich sein, da der Downloadabsatz seit Jahren kontinuierlich wächst.
Ebenfalls nur schwer nachvollziehbar ist das Kräfteverhältnis innerhalb des europäischen Downloadmarkts: Großbritannien hält demnach 52,9 Prozent des Kuchens, Deutschland 13,7 Prozent und Frankreich 8,0 Prozent. Überraschend an vierter Stelle rangiert die Schweiz mit 4,6 Prozent, gefolgt von Luxemburg mit 4,1 Prozent. Bevölkerungsreichere Länder wie Italien (3,3 Prozent), Spanien (1,0 Prozent), Schweden (1,3 Prozent) oder die Niederlande (0,2 Prozent) scheinen in der Statistik unterrepräsentiert.





