Ob es in Großbritannien zu einer Verlängerung der Schutzfristen für Interpreten kommt, scheint fraglich. Selbst EMI-Chairman Eric Nicoli hat Zweifel und richtete einen Appell an die politischen Entscheider.
Bei einer privaten Konferenz in 11 Downing Street, dem Amtssitz der britischen Finanzminister, klagte Nicoli laut einem Bericht der Londoner „Times“ darüber, dass „die Ansichten derer, die sich gegen das Prinzip des Urheberschutzes wenden, bei der Regierung mehr Anklang finden als die Ansichten der Werkschöpfer“.
Zu dem Treffen bei Schatzkanzler Gordon Brown waren unter anderem auch der Kreativdirektor der BBC, Alan Yentob, und Kulturministerin Tessa Jowell geladen. Die Musikbranche in ganz Europa kämpft seit Jahren um eine Verlängerung der Schutzfristen für Interpreten über die derzeit gültige Spanne von 50 Jahren nach der Erstveröffentlichung hinaus. Die Labels und Künstler in Großbritannien streben eine Gesetzesänderung nach US-amerikanischem Vorbild an, die die Frist auf 95 Jahre verlängern würde. Von diesen Wünschen nicht betroffen sind die Regelungen für Autoren und Komponisten – deren Urheberrechte gelten auch 70 Jahre nach dem Tod noch.
Die Musikbranche in UK hat in dieser Angelegenheit eine Eingabe für den sogenannten Gowers Report gemacht. Unter der Leitung des ehemaligen „Financial Times“-Chefredakteurs Andrew Gowers hat eine Kommission im Auftrag von Kanzler Brown in den letzten Monaten herausgearbeitet, an welchen Stellen das bestehende britische Urheberrecht modernisiert werden könnte, um es den Anforderungen des digitalen Zeitalters anzupassen. Der Bericht wird für die nächste Woche erwartet und es heißt, die Gowers-Kommission sei vom Gesuch der Musikwirtschaft nicht überzeugt. Daher erklärte Nicoli bei dem privaten Treffen am 22. November, dass sich eine Beibehaltung dieser rechtlichen „Anomalie nachteilig auf Großbritannien auswirken und künftige Investitionen gefährden wird“.
Angeblich fehlt Nicoli bei seinem Ansinnen die breite Unterstützung in der Branche. Laut „Times“ soll sich vor allem Marktführer Universal Music als halbherziger Verbündeter erwiesen haben. Vor der Gowers-Kommission soll Universal dem Vernehmen nach die betriebswirtschaftliche Bedeutung der Nachwuchsförderung und des Künstleraufbaus stärker betont haben als den Stellenwert von langfristigen Tantiemeneinnahmen.






