Professor Felix Oberholzer-Gee, Autor der jüngsten Harvard-Studie zum Thema P2P, zeigte sich überrascht über die Reaktion der Musikindustrie auf seine Ergebnisse. Die Studie hatte ergeben, dass Filesharing einen nur geringen Effekt auf CD-Verkäufe habe und in vielen Fällen die Verkäufe sogar steigern könne. Die Branche war über die Ergebnisse verwundert und wenig erfreut. Oberholzer-Gee hatte nach eigenen Angaben nicht damit gerechnet, viel Neues zu bieten und musste feststellen, dass die von ihm erhobenen Daten in der Branche bisher nicht bekannt waren und dementsprechend auf starke Resonanz stießen. Zumal viele Köpfe in der Plattenindustrie eine direkte Verbindung zwischen Musikpiraterie und rückläufigen CD-Verkäufen sehen. Oberholzer-Gee sieht Tauschbörsen eher in der gleichen Rolle wie das Radio, das Nutzern die Möglichkeit gebe, neue Titel und Interpreten kennenzulernen. Auch die Einführung des Radios hatte bei den Plattenfirmen einst die Befürchtung ausgelöst, dass Single- und Albumverkäufe dadurch kannibalisiert werden könnten. Seitdem, so Oberholzer-Gee, ginge man eigentlich davon aus, dass Kunden gern sammeln und besitzen, auch wenn sie bestimmte Kostproben umsonst bekommen können. Noch dazu ist das Zusammenstellen eines kompletten Albums im P2P-Bereich vielen Nutzern zu mühsam. Dies könnte sich mit verbesserten technischen Möglichkeiten jedoch ändern. Wenn es erst einmal möglich sei, sich unkompliziert ganze Alben herunterzuladen, sei der physische CD-Verkauf in der Tat gefährdet, so Oberholzer-Gee. Es sei denkbar, dass kleinere Plattenläden aussterben und nur noch Großhändler wie Wal-Mart oder Best Buy übrig bleiben, die allerdings weniger Auswahl anböten. Genau hier sieht der Professor die Chance für Download-Shops und Musikindustrie, da es wesentlich günstiger sei, Backkatalog und weniger populäre Titel digital anzubieten als physisch. Sollte es langfristig jedoch nicht möglich sein, Urheberrechtsgesetze wirksam durchzusetzen, könne es schlussendlich für die Künstler besser sein, ihre Musik umsonst zur Verfügung zu stellen und sich dafür auf Konzert- und Merchandising-Einnahmen zu konzentrieren. Auch andere Industrien würden diesem Muster folgen und den Einkommensfokus auf Produkte legen, die urheberrechtlich schützbar seien und deshalb bezahlt werden müssten.
Neue P2P-Studie sorgt für Erstaunen in der Branche
Eine Studie des Harvard-Professors Felix Oberholzer-Gee zum Thema P2P hatte ergeben, dass Filesharing einen nur geringen Effekt auf CD-Verkäufe habe und in vielen Fällen die Verkäufe sogar steigern könne. Die Branche war über die Ergebnisse erstaunt und wenig erfreut.





